Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1932)
- Article
- Das Heldenlied von der Nadel
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 427 (sequence 5)
- Language
- German
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DAS HELDENLIED VON DER NADEL 427 material für seinen Laden, das er je nach Wunsch nachbestellt oder nicht. Damit paßt er sich gleichzeitig den neuen Methoden des Einkaufs an und wird doch der Gewerkschaft gegenüber nicht straffällig. Im Jahre 1925 wurden 7d% der Mantel- und Kostümproduklion von solchen Händler-Lieferanten erzeugt. Allerdings sind in der allerletzten Zeit diese Lieferanten selbst in die Grube gefallen, die sie gegraben haben, dadurch nämlich, dai3 die neueste Entwicklung darauf zielt, die Massenfilialen großer Firmen, ferner die Warenhäuser, Postversandzentralen und Griippeneinkäufer außerordentlich zu vermehren, wodurch der kleine Einkäufer überflüssig wird. Manche von den genannten Unternehmungen beginnen sogar damit, vorläufig nur probeweise, den Mittelsmann ganz auszuschalten, indem sie ihr eigenes Material an denselben kleinen Fabrikanten vergeben, den der Händler-Lieferant beschäftigte. So wächst die Verwirrung und die Demoralisation. Die großen Unternehmer, die innerhalb der eigenen Fabrik schallen, erzeugen und verkaufen, und infolge dieser Konzentration und Großzügigkeit den Vorstellungen der Gewerkschaft und schließlich Kollektivverträgen viel zugänglicher waren, sind ständig im Abnehmen begrill'en. Auch übersiedeln manche Unternehmer, um eben der Gewerkschaft zu entgehen, in kleine Städte. Wo vereinfachte Moden oder verbilligte Qualität den hochqualifizierten Arbeiter überflüssig gemacht haben, hat diese Übersiedlungsbewegung besondere Chancen. Die Gewerkschaftsführer sahen ein, daß sie zwangsläufig eine Richtung einschlagen mußten, die diesen neuen Bedingungen Rechnung trug. Die Aufgabe war nicht leicht. Sie waren der Meinung, daß das Wohlergehen und die Leistungsfähigkeil der Industrien, von denen ihre Mitglieder abhingen, für die Gewerkschaftspolitik von größter Bedeutung sein mußten, solange die heutige Gesellschaftsordnung besteht. Folglich mußte man Mittel und Wege linden, um diese Industrie zu stabilisieren, um dem anständigen Unternehmer zu helfen, der selbst produziert und verkauft, und schließlich um diejenigen Märkte zu stützen, die unter dem Einfluß der Gewerkschaft standen, damit sie gegenüber gewerkschaftslosen Gebieten konkurrenzfähig seien. Schon im Jahre 1923 stellte die Internationale Gewerkschaft ein Programm von vierzehn Punkten auf, die dem Demoralisation verbreitenden Händler- Lieferanten das Handwerk legen sollten. Mehrere große Gewerkschaften schlössen sich theoretisch dem neuen Feldzug an. IVauni aber sollten diese Ideen in die Tat umgesetzt werden, als die Gewerkschaftsführer sich von allen Seiten bitter angefeindet sahen.