Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1932)
- Article
- Das Heldenlied von der Nadel
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 426 (sequence 4)
- Language
- German
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426 M ENORAH durch die Saison, durch den häufigen Umsatz kleinster Anlagekapitalien, die wieder durch die geringe Regie möglich sind. Das waren alles alte und wohlbekannte Probleme. Aber in den leisten Jahren sind Veränderungen im Handel und in der Erzeugung eingetreten, die alle Nadelindiislrien betreffen. Die Nachfrage der Kundschaft hat .sich gnnz und gar geändert, /um Beispiel ist der genähte JJcrrenluit gänzlich verschwunden, ebenso einige Arten von Kappen und sehr viele Kinderhutsorlen. Die heutige Mode der Barköpiigkeit hat den Unternehmern viele Verluste, den Arbeitern Arbeitslosigkeit gebracht. In der Münnerklekhmg hat sich das billige Staiulardmodell durchgesetzt und die Qualilä Lserzeugung man eher großer Häuser erschlagen. Der Sonntagsanzug von früher ist durch das Automobil überflüssig geworden — heute trägt der Arbeiter -- wie der Mittelstand am Sonnlag seine ältesten Anzüge ab. Viel schlimmer noch ist es in der Frauenmode. So vernünftig und erwünscht die allgemeine Vereinfachung der Mode von manchem Standpunkt aus ist — für die Arbeiter hat sie viel Elend gebracht. Der komplizierte Hut ist dem glatten Filz gewichen und hat sich durch das kurzgeschnittene Haar auch weiterhin gehalten; der Strohhut ist so gut wie verschwunden, während er früher 75% der Produktion ausmachte. Das Verschwinden des Kostüms und der Bluse — mag es auch nur zeitweilig sein und die Verdrängung des Wintermantels durch den Pelz, hat mehr als zwanzigtausend Arbeiter brotlos gemacht. Das Fehlen von Rüschen und sonstigen Kinkerlitzchen in der jüngstvergangenen Mode bedeutete dasselbe: freilich ist hier der Umschwung wieder da. Abgesehen von dem immer höchst Ungewissen Faktor der Mode ist in der Verkaufs t e c h n i k ein Riesenunischwung eingetreten, den man als das von-der-Hand-in-den-Mund-Kaiden bezeichnet. Früher pflegten die Detailgeschäfte einen Großteil ihrer Bestellungen im Vorhinein zu machen. Jetzt halten sie bis zum letzten Augenblick zurück und bestellen auch dann nur so viel oder so wenig Kopien eines bestimmten Modells, als sie sicher anbringen können. Dieses von-der-IIand-in-den^Mund-Kaufen und der blitzschnelle Modewechsel sind die zwei Hauptgründe für die Wicderauferstehung der Schwitzbude, die in der Damenkonfektion eine grauenhafte Entwicklung genommen hat. Der neue Typus des Lieferanten ist nämlich nicht nur ..Lieferant'', also Subunternehmer oder Erzeuger, — sondern auch Händler dazu. Er kauft Material, bestimmt die Machart, und überläßt dann die Produktion den grimmig konkurrierenden allerkleinsten Fabrikanten. So erhält er billiges und abwechslungsreiches Modell-