Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1932)
- Article
- Das Heldenlied von der Nadel
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 425 (sequence 3)
- Language
- German
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DAS HELDENLIED VON DER NADEL 425 einander und durcheinander in Gruppen organisiert waren, und schließlich Toleranz gegenüber den Meinungen der Minderheiten und der Opposition; gegenüber den Unternehmern wollten sie energischeres Vorgehen einleiten; und ganz im Allgemeinen traten sie ein für eine deutliche Vertretung des Standpunktes, daß /.wischen arbeitenden und unternehmenden Klassen ein grundlegender Unterschied bestehe, ferner für Agitation zugunsten der Anerkennung der Sowjet-Union, schließlich für Amnestierung politischer Gefangener in allen kapitalistischen Ländern. Die Rechte trat der Linken in all diesen Forderungen entgegen. Auf die Kritik der inneren Leitung erwiderten sie, daß die Linke keine ehrliche, echte GewerkschafIsopposition darstelle, sondern das Werkzeug einer außerhalb stehenden politischen Partei sei; was die Wirtschaft betraf, bestanden sie darauf, daß eine Realpolitik nur geführt werden könne, indem man einen modus vivendi mit den Arbeitgebern suche und iinde; und was die allgemeinen Forderungen anlangt, meinten sie, es sei unerläßlich, die Gewerkschaft in den kommenden schweren Zeiten von allem fernzuhalten, was nicht eng mit ihrer eigenen Existenz zusammenhing. Mit zunehmender Schärfe des Kampfes liegen Vorwürfe wie Korruption, Gangstertum, Unfähigkeit und Unehrlichkeit hin und wider. In Wahrheit lagen die Gegensätze lief er, als diese Streitpunkte es zeigen. Es war der Widerhall der Bolschewikenrevolution, es waren die Veränderungen im Weesen der Industrie, die komplizierte Natur der Gewerkschaft selbst und schließlich die eigenartige Zusammensetzung der Nadelhidustriearbeiter, die die wahren Quellen des Bruderkrieges bildeten. Wirtschaftliche Umstände verschlechterten Löhne und Lebens bedingungen. Die Arbeiter wurden unruhig und unzufrieden. Als Heilmittel schlugen die Gewerkschaftsführer eine Politik vor, die der Industrie als Ganzem helfen sollte. Diese Politik aber verlangte Zusammenarbeit mit dem Unternehmer, und das ging den Arbeitern, die sozialistisch eingestellt waren, gegen den Strich. So kam zur Not noch Verwirrung und Ratlosigkeit hinzu. Grade um diese Zeit schickte die Moskauer Internationale ihr Werbeprogranim in die Welt, und ihre Taktik fiel bei den amerikanischen Nadelarbeitern auf fruchtbaren Boden. Sprechen wir zunächst vom Wichtigsten, den wirtschaftlichen Umständen. Sie sind das Kernproblem jeder Gewerkschaftspolitik der Erhaltung menschenwürdiger Lebens- und Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder. Die Kleiderindustrie war ihrer Natur nach immer unregelmäßig und unsicher, denn sie wird bestimmt durch die Launen der Mode.