Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1932-09-01 · Heft 9-10 (September 1932) · p. Seite 424

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 9-10 (September 1932)
Article
Das Heldenlied von der Nadel
Date
1932-09-01
Page
Seite 424 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2912821-2912916-2912922-2928642--11736-2928777
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

424 MENORAH gisch wertvolle Positionen aulzugeben, und langten schließlich am Grunde der Erschöpfung und blind verzweifelter Verwirrung an. Glücklicherweise scheint inzwischen die Krise überwunden zu sein. Wie schwer sie auch an den Folgen noch tragen müssen, die Nadelarbeiter haben doch wieder einen offenen Ausblick in die Zukunft, bei der Amalgamaled (Vereinigte Schneidergewerkschaft Amerikas) war der Kampf verhältnismäßig kurz. Sie ist heute wieder im Besitze derselben Macht und genießt dieselbe Achtung wie zuvor. Auch die Internationale Gewerkschaft der Hut-, Kappen- und Modewarenerzeuger war nie ernstlich gefährdet. Selbst die Gewerkscharten der Damenschneider und die der Pelzwarenarbeiter, wo der Krieg lange und erbittert geführt wurde, begannen sich seit dem Jahre 1929 zu erholen und scheinen auf dem besten Wege zur Genesung zu sein. Ein Vertrag vom Jänner 1929 zwischen der KürschnergewTerkschaft und der Kürschnermeisler Vereinigung hat auch die Gesundung dieser Gruppe zur Folge gehabt. Der Streik im Juni desselben Jahres, den die Linke zu organisieren versuchte, war ein schwerer Mißerfolg — nur einige wenige Leute leisteten der Streikparole Folge. Unglücklicherweise traf der seither eingetretene Börsenkrach alle Luxusgewerbe schwer, und die Kürschner leiden darunter besonders, weil sie grade erst im Begrijfe waren, ihre Organisation wieder aufzubauen. Die Internationale Damenschncidergewerkschafl konnte ihre neu erstarkten Kräfte schon im Juli 1929 erproben, als ein Streik der Mantelschneider höchst erfolgreich durchgeführt wurde. Ebenso gelangen kurz darauf die Streiks der Sticker und schließlich der Damenkleidermacher. Der Hauptzweck der Streiks ist. die Moral der Masse zu beleben und zu stärken, die kleinen Betriebe auszuschalten, die während der letzten Jahre wieder aus dem Boden gewachsen sind, und neuerdings eine Organisation von Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufzubauen, die die Kontrolle erleichtert und die ganze Industrie hebt. En verdient Erwähnung, daß diese Streiks bei vielen großen Unternehmern Beifall gefunden haben. Was war eigentlich dieser Bürgerkrieg, dieses erbarmungslose Gemetzel von rechts und links? Was trennte die Parteien? Wie sind heule die Aussichten? Wie in so vielen Kämpfen großen Maßstabes, ergeben die offiziellen Darstellungen beider Seiten durchaus kein klares Bild von dem Umfang und der Hitze des Streites. Die Linke setzte ihre Angriffe gegen die Rechte, das heißt gegen die Gewerkschaftlihrung. auf drei Fronten ein. Innerhalb der Gewerkschaft verlangten sie demokratischere Leitung und Kontrolle. Verschmelzung der verschiedenen Einheiten, die unter-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.