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Menorah · 1932-09-01 · Heft 9-10 (September 1932) · p. Seite 407

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 9-10 (September 1932)
Article
Jüdische Illusionen
Date
1932-09-01
Page
Seite 407 (sequence 2)
Language
German
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JÜDISCHE ILLUSIONEN 407 definiert ist, glaube ich doch, einen Grundirrtum in den Fieudschen Beweisführungen zu erkennen. Er nimmt nämlich die Illusion als etwas, was völlig außerhalb des Menschen steht, mit dem er sich objektiv auseinanderselzen muß und über das er reden kann wie über etwas Sachliches. Mit anderen Worten: er meint immer nur die festen Illusionsbilclcr, die Vergangenheit und Gegenwart ihm bieten. Aber es ist doch ein bißchen anders: man kann nämlich dem Menschen wohl seine Illusionen rauben, niemals aber sein Illusionieren. Mag der moderne Mensch noch so sehr auf Sachlichkeit und Realität eingestellt sein, mag er noch so sehr sich nichts vormachen lassen und kalt und rechnerisch seinen Vorteil in der rauhen Welt der Tatsachen suchen, es hilft ihm alles nichts: Illusionieren tut er doch. Dieses Illusionieren stammt nämlich nicht aus unserem Verstände, sondern aus unserer Einbildungskraft, und es ist deshalb müßig, im Namen des gesunden Verstandes gegen die Illusionen anzurennen. Ob der Jüngling früher romantisch liebte und den geheimen Sinn des Daseins im Augensterne der Geliebten suchte, bis mit dem Gürtel und dem Schleier „der holde Wahn" entzweiriß, oder ob derselbe Jüngling sich heute selbst in der Liebe nichts mehr vormachen läßt und leichter als früher geneigt ist, den Gegenstand seiner Liebe zu wechseln; — ob ferner der Dichter zu Meister Spitzwegs Zeiten arm in seiner Dachkammer lebte und seinem Küivstlertraiime nachhing, oder ob er heute in seinem Auto fährt und mit allen seinen Pannen selber fertig ward; — ob schließlich der einfache Mensch gläubig ist und Trost und Heil in diesem Glauben findet, oder ob er als klassenbewußter Proletarier die Fahne der Revolution erhebt: — es ist alles ein und dasselbe, wir alle suchen die Welt nicht nur mit unserem erkennenden Verstände, sondern mindestens ebensoviel mit unserer Einbildungskraft zu umfassen. Und wenn alle unsere Erkenntnisse, gleichviel welche, aus unserem Verslande kommen, die Beziehung zur Well, zu den Menschen und selbst zu Gott, unsere persönliche Beziehung stammt allein aus unserer Einbildungskraft. Alle Liebe, ob zu Menschen, zu Gott oder zu sonst einer Idee oder einem Werk. — Familiensinn, Heimatliebe, Patriotismus. Meii-schheitsideale, — alles stammt aus einer Illusion. i\ achdem wir dies festgestellt haben, können wir in Bezug auf unser Judentum und auf uns selbst als Juden folgendes behaupten: Trotz Zwcckdienerei und Tachlismenschentum ist Israel unter allen Völkern der Erde allezeit das illusionskräftigste gewesen. Und trotz Freud, der ebenso an den Intellekt und seine alles besiegende und nie-

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