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Menorah · 1932-09-01 · Heft 9-10 (September 1932) · p. Seite 402

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 9-10 (September 1932)
Article
In der Magnolienstraße
Date
1932-09-01
Page
Seite 402 (sequence 6)
Language
German
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402 MENORAH sie. Mit strahlenden Augen folgten sie ihr, wie sie aus dem Laden trat und am Fenster vorbei ging. „Eine Schande ist's und ein Skandal!" brauste Frau Poyser plötzlich auf. .,So was von solch einem Mädel zu sagen!" Die Stimmen von Frau Schulmann, Frau Billig, Frau Edelmann und zwei oder drei Damen aus benachbarten Straßen erhoben sich, um Frau Poysers Urteil zu bekräftigen. So sollte es sein. Hose Bermann war gestern nicht mit John Cooper, dem Seemann, spazieren gegangen. Sie war eine gute, jüdische Tochter. Sic liebte ihre Mutter von Herzen. Wie sollte sie da mit einem christlichen Seemann spazieren gehen? Wie sollte sie? — Und doch hatte sie es getan. Die kleine Frau Seipel wußte es. Sie war jünger als die andern Frauen. Da war ein Zucken um Roses Mund heut Morgen, da war ein Licht, das sie ganz umlloß. Kann sein, es war ein schlimmes Licht: »aber da wars, und strahlte und glänzte ihr von Haar und Wangen. Und der junge Mann — der war so stattlich und ruhig. Schwer mußte es für jedes Mädel sein, wenn er sie anguckte, zu ihm zu sagen „Nein, nein. Du mußt gehen — was werden die Nachbarn sagen?!" „Aber Deine Mutter, Rose, Deine Mutter!" jammerte Frau Seipel im Herzen. Sie ist so schwach. Ihr Leben hängt an einem Faden. Wenn sie d a s ahnte . . . Es war hohe Zeit, daß sie für Frau Bermann wieder einmal einen von den Biskuitkuclien machte, die Frau Bermann so gerne aß, sagte sich Frau Seipel. Wie lange ist's schon her -— so dachte sie unter Gewissensbissen — daß ich ihr kein selbstgebackenes Biskuit mehr gebracht habe ... „Guten Morgen, Alle miteinander!" sagte sie. Sie kam sich schuldig und unglücklich vor. Rasch eilte sie die Straße herunter nach Nummer Neunzehn, nach Hause. Plötzlich erinnerte sie sich an den herrlichen Brief, der gestern Abend von Onkel Adolf gekommen war. Er war ihr Bruder, aber sie dachte immer an ihn wie an einen Onkel, grade so Avie ihre eignen Kinder, und alle andern Kinder aus der Magnolienstraße. Der Gedanke an den Brief tat ihrem Herzen wohl. In einem Monat — oder spätestens in zweien — würden sie all die Quälereien hinter sich haben. Dann würden sie wohl schon auf dem Wege nach New York sein, mit einem großen Koffer voll englischer Wäsche und a n d e r n Herrlichkeiten. Jetzt aber mußte sie rasch das Eier-Biskuit für Frau Bermann machen. Und sie mußte ihr das Biskuit so rasch wie möglich selbst hinübertragen: denn es sollte als PulTer dienen zwischen der kränklichen

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