Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1932)
- Article
- Ein Museum in Tel-Aviv
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 391 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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EIN MUSEUM IN TEL-AVIV 331 das den seltsamen Ehrgeiz hätte, alle ausländischen Darstellungen des holländischen Landes und Volkslebens zusammenzubringen. Vor allem diese Abteilung hat, wie man merkt, einen grob stofflichen Charakter, der nur Schaden stiften kann. Für die Galerie berühmter jüdischer Männer gilt dasselbe wie für die Ethnographie: separieren! Bleibt die Bibel. Die möchte natürlich auch ich nicht missen. Denn lebendig und dankbar wie nur irgendeiner, empfinde auch ich die wundervolle Macht, die unsere heiligen Schritten auf die biidschaffenden Völker der Erde ausgeübt haben. Aber das ist nur Spiegelung, nur Reflex des Geistes unserer Bächer. Und muß so — als eine fremdartige Erscheinung am Rande unserer Glaubens-, unserer Geistesgeschichte — charakterisiert, um nicht zu sagen: klassifiziert bleiben. Nichts leichter als das. Man lasse fürs erste das heillose Wirrwarr verschiedenartiger Reproduktionen fallen und huite sich ausschließlich an schöne, große Fotos von der Art der Wiedergaben der Firmen Braun und Allmari. Und bringe dann diese Blätter in einem besonderen Raum nicht ständig, sondern in Wechselrahmen zur Ausstellung. Das wird genügen, um gegenüber jenen Werken jüdischer Künstler ihre völlig andere Bedeutung und ihre besondere Rolle innerhalb des Museums klarzumachen. Damit meine ich, sehr geehrter Herr Bürgermeister, das vorläufige Programm Ihres Museums vielleicht ein wenig geklärt, jedenfalls aber zu einem Objekt öffentlicher Auseinandersetzung gemacht zu haben. Und daran war mir. im Interesse der Sache, am meisten gelegen. Empfangen Sie nun mit meinen Grüßen den Ausdruck besonderer Hochachtung von Ihrem Wien, 30. September 1931. Max Eisler Und nun noch eine kleine Nachschrift persönlicher Art, die ich eben deshalb aus dem Rahmen des Briefes hebe. Ich stehe auf dem Boden unserer Religion. Trotzdem will ich zu der Absicht, jetzt plastische Werke in das heilige Land zu bringen und dort öffentlich auszustellen, nichts weiter sagen, da mir bei meiner Unwissenheit in ritualen Dingen ein Urteil darüber nicht zusteht. Aber schon hier möchte ich ein Gefühl nicht unterdrücken, das ich bei ähnlichen Affären, die auf jener uns allen teueren Erde spielen, immer wieder habe: wäre es nicht auch da nur natürlich, alles zu bedenken, jede Rücksicht zu üben und niemanden zu verletzen? Denn so wie ich sie empfinde, ist unsere Volksgemeinschaft