Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1932)
- Article
- Ein Museum in Tel-Aviv
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 390 (sequence 7)
- Language
- German
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390 MENORAH dern auf Kosten der Kunst ein jüdisches Panoptikum entsteht. Das klingt vielleicht zu scharf, aber es sollte ja nur deutlich machen, wohin man bei der jetzigen Fassung des Gedankens und bei dem Verlauf, den nach allen Erfahrungen die Dinge dann zu nehmen pflegen, über Jahr und Tag wohl kommen würde. Aus diesen und anderen Gründen, die anzuführen der Raum nicht ausreicht, möchte ich mir erlauben, meine Gegenvorschläge folgendermaßen zu formulieren: Die ethnographische Abteilung, von der ich wenig oder nichts verstehe, will ich aus dem Spiele lassen. Nur eines: falls sie geschaffen wird, müßte sie in sich geschlossen bleiben, ohne jeden Übergang zum Museum der Kunst. Das Museum der Kunst möge in der Hauptsache beschränkt bleiben auf Werke von Künstlern jüdischer Herkunft und auch hier wieder auf solche von einwandfreier Qualität. Um diese strenge Auslese zu sichern, möge in Tel Aviv ein kleiner sachverständiger Ausschuß gebildet werden, dem in einigen Zentren Europas und Amerikas weitere kleine Ausschüsse koordiniert werden sollen, mit der Aufgabe, bei den durch Schenkung oder Kauf zu erwerbenden Stücken mitzuhelfen, mitzuraten und mitzustinimen. Kein Werk soll die Tür zum Museum passieren, das nicht vom Zentralausschuß und dem jeweils zuständigen Auslandsausschuß gutgeheißen wurde. Namentlich Schenkungen gegenüber ist die größte Vorsicht geboten. Denn jedermann weiß, wie gründlich geschenkte Werke ein Museum verderben können. Dieses anfangs kleine, aber wertvolle Museum wird dann nach allen Seiten vortrefflich wirken. Die reine und strenge Auswahl wird hervorragende Künstler des Kontinents, die bei einem Mischmasch um keinen Preis mittun, bestimmen, Arbeiten ihrer Hand kostenlos zu widmen oder doch so wohlfeil zu überlassen, daß die lokalen Komitees leicht operieren können. Die diversen Ausschüsse werden unter diesen Umständen mit schöner Lust bei der Sache sein. Und die Einwohner von Tel Aviv, mit ihnen unsere Brüder im heiligen Lande, werden endlich zwar keine billige Sensation, aber einen Schatz im Hause haben, zu dem sie Vertrauen fassen dürfen, der die Bewegung ihrer Sinne und Gefühle wert ist, der ihnen einen verläßlichen Maßstab an die Hand gibt für ein jüdisches Weltbild der Kunst. Eben deshalb bin ich dafür, die Abteilung von Werken jüdischen Gegenstandes, sofern sie von Nichtjuden herrühren, vorderhand gänzlich fallen zu lassen. Kein Volk der Erde sammelt derlei. Oder kann man sich vorstellen, daß z. B. in Holland ein Museum eingerichtet würde,