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Menorah · 1932-09-01 · Heft 9-10 (September 1932) · p. Seite 389

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 9-10 (September 1932)
Article
Ein Museum in Tel-Aviv
Date
1932-09-01
Page
Seite 389 (sequence 6)
Language
German
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EIN MUSEUM IN TEL-AVIV 389 es alle Fehler vermeidet, die bei uns und Ihnen bisher die Regel waren. Besonders den schlimmsten: das Durcheinander. Auch in dieser Hinsicht läßt Ihr Programm noch genug Wünsche offen. Schon die Scheidung der Sektion ,yModerne Kunst" von der Sektion ,,Biblische Darstellungen" liegt nicht ganz klar. Man könnte zwar meinen: im ersten Fall gehe es um einen künstlerischen, im zweiten um einen geistigen BegrifT. Aber auch im zweiten Fall ist es die Kunst, die den BegrifT zur Anschauung bringt. Bei diesen Darstellungen aus der Bibel ist dann nur an Reproduktionen gedacht. Aber wie hier, wird auch bei den jüdischen Themen moderner Konzeption kein Unterschied gemacht zwischen jüdischen und nichtjüdischen Künstlern, denen sie ihre Darstellung verdanken. Und auch damit greift eins in das andere hinüber. Ferner ist nicht recht einzusehen, weshalb man in der ersten Sektion aus dem Werke jüdischer Künstler jene Stücke ausscheiden soll, die jüdische Gegenstände darstellen, nur um sie mit den übrigen Darstellungen jüdischen Gegenstandes zu vereinigen; das hieße dem gemeinsamen Stoffe zuliebe einen viel wesentlicheren Zusammenhang, nämlich die jeweilige Einheit eines oeuvres, zerstören. Aber das scheint hier ja immer — bewußt oder nicht — der leitende Gedanke zu sein: erst die Sache und dann die Kunst. Oder anders gesagt: die Kunst als Mittel zum Zweck, und dieser Zweck: eine durch die Werke der Maler und Bildhauer veranschaulichte Lektüre des jüdischen Lebens. Darum wird man sich auch nicht wundern, am Schlüsse der ersten Sektion eine Unterabteilung mit den Bildnissen berühmter Juden anzutreffen. Obzwar das hier im Grunde recht verwunderlich ist. Denn was haben diese Bildnisse in der Gruppe „Kunst" zu suchen? Mag sein, daß eins oder das andere von ihnen künstlerisch achtbar oder gar wertvoll wird, die Mehrzahl wird es gewiß nicht sein. Und wenn auch. Was das Programm hier im Auge hat, ist weder die Malerei noch die Skulptur, sondern die Reihe berühmter Männer, also wieder einmal nicht die Kunst, sondern den Gegenstand der Darstellung. Dieses fortwährende Hinüberwechseln kann und muß — und das scheint mir vom Standpunkte der Kunst am wichtigsten — die Qualität der Auslese empfindlich schädigen. Keine Frage, daß ein Bild jüdischen Stoffes schon infolge seiner leichteren Lesbarkeit auch leichter Eingang finden wird in das Museum als ein unvergleichlich edleres, echteres Werk jüdischer Hand, aber nichtjüdischen Inhaltes. Und eben diese Alternative zeigt die Gefahr des geplanten Aufbaues in ihrer ganzen Tragweite. Struktur und Sinn des Programms lassen befürchten, daß — wird es Wirklichkeit — in Tel Aviv nicht ein Museum der Kunst, son-

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