Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1932)
- Article
- Ein Museum in Tel-Aviv
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 388 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2912821-2912916-2912922-2928627--11677-2928742- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
388 MENORAH vor: Sie kämen in das Haus und hätten in der Halle vor sich die Gipskopie des Moseskopfes von Michelangelo, im Zimmer zur Rechten Wiedergaben von Bildern hervorragender jüdischer Maler seit Jozef Israels, daneben mehr oder minder mittelmäßige Originale gegenwärtiger Künstler aus aller Herren Länder, dann eine Stube mit alten Silbergeräten für den ritualen Gebrauch, ferner Zimmer mit Fotos aus dem jüdischen Volksleben, mit Statistiken und Diagrammen . .. und Sie kämen nach alledem nun wieder in die Halle zu demMoseskopf des Michelangelo zurück. Was wäre da Ihr Eindruck? Doch nur der einer maßlosen Ermüdung und Verwirrung. Das kann aber nicht der ideale Zweck eines Museums sein. Darum, wenn es aus Gründen, mit denen ich mich als Laie in Fragen der Soziologie nicht befassen kann, bei dem bunten Vielerlei bleiben muß, dann — scharfe Trennung. Ein Haus mit vier Türen! Die erste zur Bibel, die zweite zur Kunst, die dritte zum Handwerk und die vierte zum Volksleben! Zwischen den vier Hausteilen aber hermetische Verschlüsse! Damit wäre ich endlich bei meiner Sache, der Kunst, angekommen, die in Ihrem Plane nur einen Teil, allerdings den größten einnimmt. Auch hier möchte ich eine Bemerkung von vielleicht allgemeiner Bedeutung voranschicken. Es sind in den Dingen der Kunst sehr viele Fehler geschehen, bei uns und bei Ihnen. Unsere jüdischen Museen in Europa sind zumeist Produkte des Zufalls und der Lässigkeit, ohne viel Kenntnis und ohne Leidenschaft zusammengestellt, recht verworren und trüb und so — nur halbschlächtig — auch wirksam. Es fehlt fast immer etwas: einmal das Temperament, dann wieder der Sinn für die Qualität und fast immer das klare und starke Wissen. Demgegenüber sind Sie in Tel Aviv im Vorteil: sie haben noch kein Museum. Um so achtsamer müßten Sie jetzt sein, diesen Vorteil nicht zu verscherzen. Gefahr ist ja reichlich da. Denn wenn ich auch nur das Geschick der Baukunst in Ihrer Stadt in Rechnung ziehe, das ich aus Bildern und zuverlässigen Berichten doch einigermaßen kenne, dann scheint mir genug Anlaß zu den schlimmsten Befürchtungen. Ich ziele damit nicht auf die einfachen Häuser, die man als eilige Notbauten gelten lassen darf, ich meine die anderen, imposanteren, die offenbar den Ehrgeiz hatten, schön oder gar monumental, jedenfalls künstlerisch zu erscheinen. Diese Kette von Bauwerken wird man sich, so unangenehm es auch fallen mag, in diesem Augenblick gegenwärtig halten müssen. Denn nichts vielleicht zeigt so deutlich, wie rückständig und banal die Wunschträume derjenigen beschaffen sind, denen das Museum jetzt die Vorstellung einer künstlerischen Kultur bringen soll. Keine Frage, daß es das nur kann, wenn