Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1932)
- Article
- Ein Museum in Tel-Aviv
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 387 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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EIN MUSEUM IN TEL-AVIV 387 allen Details, in drei stattlichen Gruppen an. Darnach soll eine erste Gruppe, auf die ich sputer noch näher zurückkommen will, die moderne Kunst, soweit diese irgendwie in den Kreis jüdischer Beziehungen fällt, enthalten; eine zweite soll den biblischen Darstellungen; eine dritte den sehr mannigfaltigen Gegenständen der soziologisch verstandenen Ethnographie gewidmet sein. Zieht man diese dritte Gruppe genauer in Betracht, dann fällt es schwer zu sagen, wo die Bestimmung des Museums aufhören soll. Es beginnt mit der Kunst und endet im Universalen. Also ein erstes Museum „jüdischer" Kultur? Das hört sich ohne Zweifel sehr schön an. Und dürfte schon wegen seines wohlklingenden Namens schnell viele Anhänger finden. Aber der Gedanke bleibt bedenklich. Uberprüfen wir ihn. Man wird vielleicht vorbringen, daß es auch in Europa ähnliche Institutionen gibt und mag sich dabei auf das hervorragendste Beispiel, auf das Deutsche Museum in München, berufen. Doch dieses Museum, das tatsächlich beinahe alle Gebiete kultureller Tätigkeit umfaßt, zeigt nur die Spitzenleistungen des deutschen Volkes. Das Museum in Tel Aviv aber möchte das und noch viel mehr, ja es begnügt sich nicht mit der jüdischen Leistung, sondern will— wenigstens auf dem Uelde der Kunst — auch noch die Spiegelung des jüdischen Geistes im Werk der anderen Völker registrieren. Das scheint entschieden ein Übermaß, ist nicht — was es sein müßte — die Folge einer strengen, planmäßigen Überlegung, sondern eine koloniale Düte voll, nach dem bekannten Rezept: „Wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen." Nun bin ich gewiß der Letzte, der das koloniale Wesen mit seiner wunderbar lebendigen Ungeduld und Energie unterschätzen würde. Trotzdem sehe ich aus der Distanz auch seine Auswüchse und versuche sie, nicht erst seit heute, zu bekämpfen. Und habe dabei zu meiner großen Freude auch Sie, Herr Bürgermeister, auf meiner Seite. Denn auch der Ursprung Ihrer neuen Idee war ja die Umlenkung der bisherigen eilfertigen und nicht immer wühlerischen Entwicklung Ihrer Stadt auf eine Reihe von Eigenschaften, wie sie einem Gemeinwesen im Zustand seiner männlichen Reife geziemen: nämlich auf Mäßigung, Klarheit und Selbstbesinnung. Das war doch, irre ich nicht, der weiter reichende Sinn Ihres Unternehmens, die moralische Absicht, deren Instrument das Museum werden sollte? Eben deshalb mußte schon sein Plan einen reinen und strengen Charakter haben. So aber ist er eine Mischung von wesentlich verschiedenen, ja divergenten Dingen geworden. Bitte, stellen Sie sich einmal