Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1932)
- Article
- Ein Museum in Tel-Aviv
- Date
- 1932-09-01
- Page
- Seite 386 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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386 MENORAH Jetzt darf ich es auch aussprechen: Ihr Programm trägt deutlich die Zeichen seiner Herkunft. Es verleugnet so wenig seinen Urheber wie dessen Helfer. Und schon darin liegt seine Schwäche. Denn je mehr es auf der besonderen Art der teilnehmenden Personen beruht, desto weniger beruht es auf dem reinen Geist der Sache, aus dem es hergeleitet werden mußte. Der Urheber — das sind Sie. Und Sie haben für Ihren Teil keinen Zweifel darüber gelassen, was Sie mit dem neuen Museum bezwecken: es soll — so ungefähr sagten Sie — nach Jahren eilfertiger, bloß wirtschaftlicher Stadtentwicklung ein Instrument der Kultur für alle werden. Da aber diese „alle" ans allen Schichten der Bildung und aus allen Gegenden der Welt stammen, müßte auch das Museum eine allseitige Einrichtung werden — nach jedermanns Geschmack, d. h. jedermann müßte hier vorfinden, was sein Geschmack erwartet. Mit dieser vorgefaßten Meinung sind Sie aiif die Reise gegangen, um in den Kulturzentren Europas, namentlich in Rom und Paris, die Meinungen der Fachleute zu hören und sich zunutze zu machen. Sie wollten — und das bestätigt wieder einmal Ihren sehr tüchtigen und reellen Charakter — nicht selbst den Fachmann spielen, sondern Sachkundige entscheiden lassen; aber alle diese Ratgeber haben an Ihrer ursprünglichen Vorstellung nichts ändern können, zuguterletzt ist es doch im Wesen bei Ihrer Meinung geblieben. Dieses seltsame Echo kann natürlich seinen Grund darin haben, daß Ihre Meinung von Anfang an die richtige gewesen ist. Aber es könnte auch an der Art Ihrer Fragestellung und an der Auswahl der Personen, an die Sie sich gewendet haben, gelegen sein. Ich glaube, daß alle diese Ursachen hier zusammengewirkt haben, um jenes programmatische Konzept zustande zu bringen, das nun zur Diskussion steht. Fürs erste: Sie irren, wenn Sie meinen, ein Museum sei dazu da, um die Wünsche des breiten Publikums zu erfüllen. Im Gegenteil. Die Wünsche des Publikums sind der gefährlichste Ausgangspunkt für eine solche und jede Einrichtung der Kultur. Denn Herr Jedermann will nur animiert sein. Und das ist ganz gewiß nicht der Zweck eines Museums. Ein Museum ist eine Erziehungsanstalt zur besseren Kenntnis und reineren Auffassung der Dinge, die es behütet. Es kann darum seine Aufgabe nicht sein, alle Wünsche sofort zu honorieren, sondern vielmehr diese unbegründeten, trüben oder gar widersinnigen Wünsche auf den rechten Weg zu bringen. Weshalb natürlich seine Anlage nicht vom Publikum, sondern von der eigenen Sache ausgehen muß. Nun, Ihr Programm nennt ja dann die Sache und führt sie, mit