Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1932)
- Article
- Der Zerfall der jüdischen Familie
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 347 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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DER ZERFALL DER JÜDISCHEN FAMILIE 347 einer Fnlervölkerung, insbesondere durch das andauernde Sehwinden der Basis des natürlichen Zuwachses, der Familie, die sieh in Auflösung /ai helinden scheint? Die grundlegenden Werke Arthur H u pp i n s: ,.Die Soziologie der Juden ', Jakob Leslsch inskys: „Die Umsiedlung und Umschichtung des jüdischen Volkes im Laufe des lel/.len Jahrhunderts'' und Dr. IL Silbcrgleits ..Die Bevölkern ngs- und Berufsverhältnisse der .luden im Deutschen Reich 1"*, ermöglichen uns, diese Fragen einer Erörterung und, soweit es überhaupt auf diesem Gebiete durchführbar ist, einer Beantwortung zuzuführen. Wohl hat das Problem der Erhaltung und des Weiterbestandes der Judenheit während der Diaspora schon früher viele Autoren beschäftigt. Alle aber um Uten so ziemlich im Dunklen läppen, weil ihnen das Zahlenmaterial fast vollständig abging und sie sich mit mehr oder minder verläßlichen Schälzungen begnügen mul.Uen. Erst jetzt kann eine objektive Untersuchung und Behandlung dieses Problems versucht werden. Die Bedeutung des jüdischen Familienlebens als eines der wichtigsten Momente für den Fortbestand des jüdischen Volkes war und ist für jeden klar, unbeslrilten und unbestreitbar. ..Im Schutze elterlicher Liebe fühlt sieh die Jugend geborgen, wie die Fl lern in der selbstlosen Liehe zu ihren Kindern das Glück ihres Lebens fanden. Je feindlicher die Umwelt sich gegen die .luden verhielt, desto höher stieg ihnen die Bedeutung des Huuses, desto mehr schlössen sich Litern und Kinder zusammen. So entstand jene Innigkeit und Beinheil des F'amiliengefühls, die ein Merkmal jüdischen Lehens geworden ist." (,,.Jüd. Lexikon* , H. Band). Gilt dies noch für die heutige Zeit .' Daü die Juden während der Diaspora zum überwiegenden Teil in Städten lebten, ist eine dauernde Lrscheinung, die nur insofern eine Änderung erfuhr, als sie jetzt meist in den Großstädten wohnen. Noch im Jahre 1900 lebte nur ungefähr ein Viertel der gesamten Judenheit in Gemeinden mit mehr als 2.J.000 Juden, 1925 betrug bereits der Bevölkerungsanteil der in solchen Gemeinden lebenden Juden ungefähr die 11 ä 1 f t e ihrer Gesanitzahl, oder genauer ausgedrückt in 14 Städten mit über 100.000 Seelen wohnten zirka 4j/> Millionen Juden und in 88 Städten mit einer Einwohnersehafl von mehr als 25.000 Seelen lebten zirka 1% Millionen .luden. Mit anderen Worten, das jüdische Volk wurde im Verlaufe eines VierleljahrhuUderts zu einer großstädtischen Gemeinschaft kat exoehen. Die Anhäufung einer Bevölkerung in Großstädten ist aber einem ausgeprägten Familiensinn und Familienleben abträglich. Denn in der Großstadt läßt sich zunächst der Ledigenstand in Bezug auf Bequemlichkeit und Zerstreuung leichter und vielfach angenehmer gestalten, während Ehepaare mit kleinen Kindern äußerst schwer um ihre Existenz kämpfen und daher häufiger auf gewisse Kulturbedürfnisse verzichten müssen. Daher ist. auch in den Städten die Zahl der Eheschließungen viel kleiner als auf dem Lande. Die nachfolgenden Tabellen sollen diese Verhältnisse in den nachbenannten Ländern und Städten illustrieren. Auf je 1000 Seelen kamen Eheschließungen in Jahr Juden Kichtjiulen De u Ischl und . . . 1927 G'3 8-7 Ungarn .... . 192b' 8-2 97 Tschechoslowakei . 1926 7"G 9-3 Polen..... 192u 6'4 1L2 Österreich . . . . 1925 6"8 12-« Dagegen in ( len nachfolgenden Städten: J ahr Juden Niclitjuden 1920 5-9 7-7 Budapest . . . . 1926 7*8 .8-9 Prag .... . 1927 04 9'2 Warschau . . . . 1925 4T 1L2 Wien..... 1925 67 9-8 Der Hauptantrieb zur Gründling einer Familie ist die in jedem Menschen und heim Juden besonders ausgeprägte Sehnsucht nach dem Heim. Nun sind aber die Wohnungen in den Großstädten, bisher wenigstens, -wie F«*anz Oppenheimer so schön sagt, „unheimlich",