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Menorah · 1932-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1932) · p. 346

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1932)
Article
Der Zerfall der jüdischen Familie
Date
1932-07-01
Page
346 (sequence 1)
Language
German
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DER ZERFALL DER JUDISCHEN FAMILIE Von Leo Go leih am mer Werden und Vergehen eines Volkes bilden ein sozialbiologischcs Problem von allergrößter Bedeutung, da die Zahl der Werte schaffenden und Werte verbrauchenden Menschen zur Produktion und Konsumtion des betreffenden Volkes in engster Beziehung steht. Werden und Vergehen eines Volkes bewegt sieh aber zwischen den beiden Eckpfeilern Geburt und Sterblichkeit, die ihrerseits von der gesellschaftlichen Institution der F am i 1 i e am stärksten beeinflußt werden. Die Familie ist aber auch die Grundlage der s oz i a 1 e n C h a r a k t e r b i 1 d u n g; denn es ist unzweifelhaft, daß die Völkerschaften, die an der Familie starkes Interesse genommen und sie mit vollem Erfolg standardisiert haben, am meisten zum Fortschritt der Menschheit beitragen konnten. Wohl vertreten manche Soziologen, besonders die mit sozialistischer Einstellung, den Standpunkt, daß es wider die Natur des Menschen sei, eine so in lerne und persönliche Angelegenheit, wie Ehe und Sorge für die Nachkommenschaft, zu einer gesellschaftlichen Einrichtung zu machen und daß sie in Zukunft wieder zu einer reinen Privatangelegenheit werden müßte, ebenso wie auch die Religion in vielen modernen sozialen Formen aus einer gesellschaftlichen Einrichtung zu einer Privatsache geworden sei. Die bisherigen Erfahrungstatsachen aber lehren, daß durch die biologischen, wirtschaftlichen und sozialen Vorteile von Ehe und Nachkommenschaft diese Ansicht auf lange Zeit hinaus mehr Wunsch bleiben, als zur Wirklichkeil werden wird. Die immer stärkere Anhäufung der Menschen in den Städten und die mit ihr Hand in Hand gehenden Erfolge der Hygiene auf dem Gebiete der Seuchenbekämpfung, der Säuglings-, Kinder- und Krankenpflege, die Städtesanierung besonders durch Wasserleitung und Kanalisation, die Schaffung von zweckentsprechenden Kranken-, Erholungs- und Fürsorgeansialten, sowie alle anderen technischen Fortschritte bewirkten einen d a u e r n d e n II ii c k g a n g d e r S l e r b 1 i e h k e i t. Bis gegen das Ende des 19. Jahrhunderts war überdies ein stetig e s, wenn auch 1 a n gs a m e s A n w a c h s e n d e r G e b u r t e nzahl zli beobachten. Um die Wende des 20. Jahrhunderts rief aber ein plötzlieh einsetzender außerordentlich starker Geburtenrückgang Beunruhigimg hervor, trotzdem die Sterblichkeit im allgemeinen noch immer so niedrig war, daß ein Geburtenüberschuß zu verzeichnen war und ist. So betrug der Uberschuß der Zahl der Geborenen über die Zahl der Gestorbenen im Deutschen Reich auf je 1000 Einwohner: 1925.........8-8 192(5.........7*9 1927.........6'4 Bei den Juden ergibt sich folgendes Bild: Die Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung in der ganzen Well betrug im Jahre 1800 zirka 2,500.000. sie wuchs bis zum Jahre 1900 auf zirka 1(),(>()0.000 an und stieg bis zum Jahre F.Ktt) auf zirka 10,000.000. Die Vermehrung der Juden von 1800 bis 1 MO betrügt daher mehr als das Sechsfache. Kein Land der Welt weist eine auch nur annähernd gleich große Vermehrung auf. Dennoch bedarf das Problem des Geburtenrückganges, das jetzt bei der Allgemeinheit in so besorgniserregender Weise auftritt, beim jüdischen Volk einer umso dringenderen Untersuchung, als bei den Juden sich diese bedrohlichen Erscheinungen in viel stärkerem Maße und viel früher herauszubilden pflegen als bei einer jeden anderen Gemeinschaft. Das sielige Sinken der Ehesehließungszahlen, die Abnahme der Geburten und das Anwachsen der Sterblichkeit bei den Juden, die heute bereits statistisch feststehen, wirft folgende ernste Fragen auf: Wird durch den Geburtenrückgang nicht etwa der Bestand der Volksmasse gefährdet? Droht uns nicht bereits die Gefahr

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