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Menorah · 1932-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1932) · p. Seite 344

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1932)
Article
Die Brautfahrt
Date
1932-07-01
Page
Seite 344 (sequence 3)
Language
German
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344 MENORAH junge Mann hört ihm ernst und aufmerksam zu. „Dwojrele," rufe ich, sollst mir leben, wer ist der schöne Jung?" Von da an bin ich ganz glücklich. Muhme Mirjam stellt mich vor, man setzt sich und nimmt Erfrischungen. Ihn hat man mir gegenüber gesetzt, aber natürlich spreche ich kein Wort, und auch er sitzt ganz verlegen, mit roten Ohren. Selbst wenn seine Mutter mich etwas fragt, oder wenn Vetter Rubin, damals schon ein berühmter Student mit den höchsten Auszeichnungen, sich mir zuwendet, wage ich, aus Angst, etwas Dummes zu sagen, kaum den Mund zu öffnen. Gott sei Dank endigt man, sich mit mir zu beschäftigen, und ich atme auf; nur die Mutter sieht mich zornig an, vor Aufregung hat sich ihr die Perücke verrutscht. Auf einmal heißt es: ,,Die Möllers warten mit dem Tee, jetzt fährt man zu den Möllers!" Alles geht auseinander, und die Mutter nimmt mich zu sich ins Schlafzimmer. „Rist du denn eine Stumme," sagt sie böse, „meinst du, er wird einen Fisch heiraten?!" Schon ist die gute Laune verflogen, und die Tränen sind da. Wie wür fertig sind, klopft es. Wer ist's? Oheim Mendel. „Schwägerin," sagt er, „ich wünsche mit deiner Tochter zu sprechen." Ich fühle mich hochgeehrt. Sobald wir allein sind, nimmt er mich bei der Hand: ,,Channele," hebt er an, ,,gefällt er dir denn nicht, oder was hast du? Mir kannst du dich anvertrauen." „Oheim," stammle ich, „was reden Sie, Oheim?" Aber er hört schon nicht mehr und beginnt zu erzählen, daß er mit ihm gesprochen, seine ganze Lebensanschauung kennengelernt und gesehen habe, daß es sich trotz seiner neunzehn Jahre schon um einen sehr vernünftigen, gebildeten, braven und dabei gutherzigen und vor allem um einen sehr fortschrittlichen Menschen handelt. ,,Mir folge, Kind," endigt er, „ich werde dich nicht schlecht beraten. Auf meine Verantwortung: er wird arbeiten, Geschäfte machen, und du wirst mit ihm glücklich sein." Was soll ich antworten? „Wenn Sie mir zureden, Oheim," sage ich. . . Rei den Möllers staune und bewundere ich: diese Ruhe, diese Sauberkeit, diese Gediegenheit! Man hat drei Tische zusammengerückt, und doch sitzt man noch eng, so viele Menschen sind da. Der Rabbi ist schon ein alter Mann mit weißem Vollbart, er unterhält sich mit meinem Vater, Jette Möller, auch schon vielleicht sechzig, aber noch eng geschnürt, mit den Kaluszern. Ihn hat man fast ans Ende der Tafel, neben

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