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Menorah · 1932-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1932) · p. Seite 345

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1932)
Article
Die Brautfahrt
Date
1932-07-01
Page
Seite 345 (sequence 4)
Language
German
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DIE BRAUTFAHRT 345 den Samowar, gesetzt; ab und zu, wenn unsere Blicke sich treJT-en, schauen wir schnell weg. Gott, wir sind ja noch Kinderl Auf einmal, höre ich, gibt es einen Krach wie von Scherben; jemand hat schon einen Teller geworfen. Teller zerbrechen, weiß ich, bedeutet Verlobung. Er kommt auf mich zu, mir Glück zu wünschen. Und sofort fange ich an, zu weinen . . . Zum Abendessen fährt man wieder zu den Borais zurück. Dort ist alles nur wie bei Fürsten; das Porzellan, das Silber, der Fisch. Alles ist im Überfluß vorhanden, bis auf eine ganze Kleinigkeit: wie man schon das Fleisch ißt, macht sich bemerkbar, daß das Brot nicht ausreicht. Da sage ich ganz unüberlegt, auf hochdeutsch — denke ich denn, daß man mir zuhört? — ich sage also ganz laut: „Bei Bankier Boral herrscht Brotmangel!" Sofort entsteht, Kinder, ein Gelachter! Zu Tod habe ich mich geschämt. Nach dem Essen verabschieden sich die Kaluszer, und auch Er reicht mir die Hand. Die ganze Zeit habe ich ja noch nicht zwei Worte mit ihm gesprochen! ,,Sei gesund," sagt er mir jetzt und will mich vor allen Leuten küssen. ,,Joj, Mamchen!" schreie ich und drehe schnell den Kopf. Und wieder lacht alles zusammen. Wir bleiben noch die Nacht bei den Verwandten und kutschieren erst am nächsten Tag nach Hause. Kaum sind wir über der Brücke, als der Vater sich zu mir vorbeugt und mich etwas fragt. Kinder, noch heule entsetze ich mich: „Channelc," meint er, ,,liast du vielleicht einen anderen lieb? Wenn ja, brauchst du es nur zu sagen." Ich weiß nicht, habe ich geantwortet oder nicht, aber mir scheint, nicht. Sofort beginne ich zu schluchzen, ich vergehe. Ich soll schon von einem Mann wissen? Ich soll hinter dem Rücken der Eltern etwas angezettelt haben, Geheimnisse mit einem fremden Menschen teilen? So denken über mich die eigenen Eltern? Ich bin empört, verzweifelt, zu Tode gekränkt und nicht zu beruhigen. Noch in der Nacht zerfließe ich vor Kummer und Aufregung. Am nächsten Tag heißt es in ganz Buczacz: ,,Verlobung hat man gefeiert, und die Väter haben nicht einmal die Häuser gesehen!"-- So, fast wörtlich, erzählt die Mutter, wenn sie sich längst vergangener Zeiten, ihrer Mädchen jähre und der Jahre ihrer gottseligen Eltern erinnert. Zuletzt sieht sie mich an, ich sehe sie an, und beide beginnen wir, ohne Grund, aus lauter Dummheit, zu weinen.

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