Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1932)
- Article
- Ein Judenstaatsprojekt eines mohammedanischen Herrschers aus dem Jahre 1873
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 339 (sequence 4)
- Language
- German
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EIN JUDENSTAATSPROJEKT 339 Dieses Schweigen von Rothschild ist natürlich verstandlich, weniger verständlich schon die Tatsache, daß die jüdische zeitgenössische Literatur — jedenfalls soweit ich sie hier durchsehen konnte — von diesem ganzen interessanten Vorschlag nichts erwähnt. Weder die Bulletins der Alliance noch die der Anglo Jewish Association berichten von dieser Privataudienz Rothschilds mit dem Schah. Nur in der Allgemeinen Zeitung des Judentums" und im Jewish Ghronicle vom 1. August 1873 werden kurz die Vorschläge mitgeteilt, die Rothschild dem Schah unterbreitet hat, um die Lage der Juden Persiens zu heben (Einführung gemischler Gerichtshöfe, Ablieferung der jüdischen Steuern direkt an den Gouverneur und dergleichen); aber auch da — keine Spur von dem, was wir im Tagebuch des Schah finden. Sollte vielleicht Rothschild absichtlich diese Bemerkung verschwiegen haben, da es ihm nicht opportun erschien, mit einem Projekt in Verbindung gebracht zu werden, ((essen Verwirklichung politische Verwicklungen hätte herbeiführen können, die die Errungenschaften der Emanzipation in Frage gestellt hätten und das außerdem auch zu seiner Vorstellung vom Judentum als Missionsreligion im Widerspruch stund? Oder aber sollte etwa der Schall diesen Vorschlag gar nicht in der Audienz geäußert, sondern erst als einen späteren geistreichen Einfall aus irgend einer Laune heraus niedergeschrieben haben? Wie dem auch sei — vielleicht läßt sich das später einmal entscheiden — dieser Judenstaatspian ist als eine authentische Äußerung des Schah in seinem Tagebuch verzeichnet und wir haben uns nun zu tragen, wie konnte der persische Schah auf einen solchen Gedanken kommen, welches waren die Umstände, die zu der Geburt eines solch interessanten Plans geführt haben, der an sich doch von einem tieferen Verständnis des Judenproblcms zeugt? Daß der persische König vor seiner Europareise von der Judenfrage nicht viel wußte, ist bekannt. Zwar hatte er als Professor an die medizinische Schule in Teheran und als seinen Leibarzt den österreichischen Juden Dr. Polak berufen, der bis 1860 in persischen Diensten stand, doch dürfte er trotz der guten Beziehungen zu seinem Leibarzt dadurch ein tieferes Verständnis vom jüdischen Volk, seiner Geschichte und Zerstreuung nicht erlangt haben. Erst in Europa lernte er persönlich das Judenproblem kennen. Hier traf er mit einem zwar verstreut wohnenden, aber einheitlich auftretenden Judentum zusammen, mit jüdischen Ministern, Gelehrten, Finanziers und anderen einflußreichen Persönlichkeiten, die ihn an allen Ecken und Enden des Weltalls mit Petitionen bedachten und um Besserstellung der persischen