Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1932)
- Article
- Ein Judenstaatsprojekt eines mohammedanischen Herrschers aus dem Jahre 1873
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 338 (sequence 3)
- Language
- German
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338 MENORAH Welchen Eindruck hinterließ nun die jüdische Bewegung auf den Schah selbst? Wir können diese Frage deshalb stellen und beantworten, weil Nasr ed Diu ein ausführliches Tagebuch über seine Europareise geführt hat, in dem er — übrigens in einem so klaren und ungekünstelten Prosastil, dal] er damit Schule machte und sich einen Platz in der persischen Literaturgeschichte eroberte — seine Eindrücke von Land und Leuten niederlegte. Und in diesem königlichen Reisetagebuch des Jahres 1873 finden wir auch einige charakteristische Eintragungen über seine Begegnungen mit einzelnen jüdischen Deputationen, vor allem über seine Unterredung mit Cremieux und Rothschild in Paris. Unter dem 12. Juli 1873 lesen wir nun folgende höchst kuriose Notiz des Schah. (Ich übersetze wörtlich aus dem persischen Original): .,D e r b e k a n nie R o t h s c h i 1 d1), a u c h2) e i n J u d e, d e r a u ß e r g e w ö h n 1 i c h reich i s t, k a m zu eine r A u d ienz und eine U n t e r h a 11 u n g 1 a n d s t a t t. E r v e r t e i d i g l e sehr eifrig die Sache d e r J u d e n, s p r a c h v o n d e n ,1 u d e n I r a n s (P e r s i e n s) u n d h a t, i h n e n R u h e z u g e w ä h r e n. Ich s p räch z u i h m : „I clihabe gehör t:i), d a ß i h r, B r ü d e r, 1000 K u r u r4) G c 1 d besitzt. Ich hielte e s f ü r das Best e, w e n n S i e 50 K u r u r einem großen oder kleinen St a a t gebe n w ü r d e n, u m d a i ü r e i n e P r o v i n z (in a m 1 a k a t) z u k a u f e n, u m d i e J u den der g a n z e n W e 11 dort zu s a m m ein. Sie selbst w ü r d e n d a s O b e r h a u p t w e r d e n und sie alle friedlich regieren, d a m i t sie nicht länger so verstreut und u in h e r g e t r i eb e ii w erde n." Hier haben wir also nichts Geringeres vor uns als ein Jude ns t a a t s p r o j e k t, d e in K opfe eine s m o h a m m e d an isehen II e r r s c h e r s entsprungen, ein in der Geschichte der Judcnstaatsidee wohl einzig dastehendes Phänomen. Bevor wir darangehen, dieses Kuriosuni näher zu erklären, sei folgendes vorausgeschickt. Die Tagebuchnotiz schließt mit den Worten: ,,Wir lachten herzlich, er gab a b er kein e A n t w o r t und ich versicherte ihm, daß ich alle fremden Gemeinschaften beschützen werde." 1j Ks handelt sich hier um Baron Gustav de Itothschild, den Solm von James Mayer de Rothschild, der zu. jener Zeit Vorsitzender des jüdischen lvonsistoriums in Paris war, auch eine ^rotie Rolle im französischen Wirtschaftsieben spielte. Er gründete isr.fi u. a. eine hebräische Elementarschule in Paris. 2) Dieses „auch" bezieht sich auf die kurz zuvor stattgfefundene Audienz der jüdischen "Deputation unter Fahruns: von Cremieux. 8) Wohl von dem persischen Gesandten in Paris, der diese Privatauclienz vermittelte. 4) Ein Kurur ist etwa eine halbe Million Mark.