Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1932)
- Article
- Begegnung mit jüdischen Zeitgenossen
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 327 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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BEGEGNUNG MIT JÜDISCHEN ZEITGENOSSEN 327 Friedrich Gundolf oder Z/her Helden und Heldenverelirung Hieidelberg, die Stadt der deutschen Romantik, die Stadt mit der ältesten deutschen U n i v ersi t ä t hat bis zur Gegenwart ihrem Weltruf Ehre gemacht. Es ist zwar sicher, daß die rührselige Studentengeschichte ,,A 1 t- II cidelber g4' mehr zur Popularisierung dieser Stadt beigetragen hat, als alle romantische Dichtung, Kunst und Philosophie — aber von dieser Art zweifelhaftem Ruhms will ich hier nicht sprechen. Heidelberg wurde durch Windelband und Rickert zum Zentrum der „badischen Philosophenschule", durch George und G u n d ol f, M o m b c r t und Benz das Zentrum der beiden wichtigsten Dichter- Schulen der Gegenwart. George ist aus Heidelberg verschwunden und Gundolf ist gestorben. Der M o m b e r t - K reis dagegen besteht uneingeschränkt weiter. Rudolf Goldschmit, der Begründer der „Heidelberger Festspiele", der Freund Gerhart Hauptmanns und Thomas Manns, empfängt noch immer alle Persönlichkeiten, die Heidelberg auf der Durchreise berühren. In Heidelberg habe ich meine Dichtungen verlegen lassen. Hier schrieb ich eine Artikelreihe über den „Heidelberger Literatur-Kreis", der mir die Bekanntschaft Hans Ehrenbergs und Rudolf Goldschmits eintrug. Hans Ehrenberg, der Verfasser von „Tragödie und Kreuz", der mich einmal zu Tisch lud ehe er protestantischer Pfarrer wurde, war k o n v e r t i e r t e r J u d e und schlechthin der haltloseste Mensch, der mir je begegnet ist, obwohl ich sein Hauptwerk aufrichtig geschätzt habe. Auch Friedrich G u n d o 1 f (Gundelfmger), der Literaturhistoriker der Universität, war schließlich ein geborener Jude. Allein er hatte durch Stefan George die Norm und Haltung empfangen und machte so einen beruhigenden und beruhigten Eindruck. Im Juli 1927 sah ich Gundolf zum erstenmal in Karlsruhe. Er trug ein Kapitel aus seinem grundlegenden Shakespeare-B uck vor. IWer je schon ein Bild von George gesehen hatte, der mußte überrascht sein von den auffallenden p h y s i o g n o m i s c h e n A f f i n itüten zwischen George und Gundolf. Außerdem wirkte die große Gestalt vollkommen unjüdisch. Es war die Zeit kurz vor Gundolfs schwerer Erkrankung, an deren Folgen er schließlich einige Jahre später gestorben ist. Er wirkte damals schon als sehr kranker Mensch.