Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1932)
- Article
- Begegnung mit jüdischen Zeitgenossen
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 326 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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326 MENORA Ii Bis zum Frühjahr 1928 sind wir uns dann nicht mehr begegnet. Inzwischen hatte Buber mit Rosenzweig die B i h e 1 - Ü b e r t r agung begonnen, und als ich ihn von Weinheim aus in Heppenheim besuchte, Las er mir daraus vor und führte mich in die Stilprinzipien zum erstenmal ein. Das geschah später noch einmal, als ich mit einem Freund bei ihm Gast war. Nun schien es mir richtig, Buber aus der Bibel in Karlsruhe vorlesen zu lassen, verbunden mit einer Rede: DER FIEUTIGE MENSCH UND DIE BIBLISCHE GESCHICHTE. Diesmal war der Eindruck noch stärker. Er war an seiner Arbeit zweifellos gewachsen. In meiner Wohnung las er uns wieder aus der Bibel vor und erklärte die Prinzipien seiner Übertragung, die vollkommen auf das Sprach sin n liehe abgestimmt waren. Hier hatten wir einen kleinen Zusammenstoß über die Frage der bildenden Kun s t. Buber vertrat den Standpunkt, daß jedes beliebige Objekt malerisch sei, es komme nur auf das Subjekt an, während ich als Voraussetzung aller großen Kunst die Wahl des Objektes bezeichnete. Nun wurde mir, rein sachlich, eine Scheidewand klar, die uns trennte: Bubers Auffassung von der Konkretheit — die ich religiös sehr achte — meinte die beliebige Kreatur, während meine Auffassung nur die b e s t i m m t e Kreatur meint. Es fehlte in diesem Weltbild das Rang- und Wertgefühl, das Gefühl für Oben und Unten. Ich war inzwischen zum optischen Typus weitergeschritten, während Buber nach wTie vor den akustischen Typus meinte. Natürlich kann das nichts an der hohen Achtung ändern, die ich für Buber habe. Er ist mir der jüdische T ypus schlechthin, und als ach später polnische Ghetti sah. da begriff ich sein tiefes Judentum erst vollkommen. Er ist der jüdische Typus auch in seiner persönlichen Tragi k: er ist Jude und heiratet eine Christin, er will nach Palästina und nimmt eine Professur in Frankfurt an, er sagt, der Jude müsse Hebräisch sprechen und spricht nur Deutsch. Zum Bewußtsein kam mir seine jüdische Tragik ganz, als er bei einer Zionistischen Jugendtagung in Karlsruhe darüber sprach, w7ie man die Bibel lesen solle und sagte: vor allem hebräisch. Dabei hatte er aber ersichtlich Mühe, hebräische Worte zu erklären. Das ist Golus-Tragik, und niemand kennt sie wohl besser als dieser jüdischste Mensch, den ich kennengelernt habe.