Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1932)
- Article
- Begegnung mit jüdischen Zeitgenossen
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 321 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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BEGEGNUNG MIT JÜDISCHEN ZEITGENOSSEN 321 losophen an. Nichtsdestoweniger muß sie getragen werden, denn jeder bedeutende Schüler wird schließlich einmal selbst zum Lehrer. Wir sprachen noch über die drei Formen des Idealismus, die Husserl unterscheidet: den platonischen, kantischen und phänomenologischen, und Husserl stellte in Aussicht, daß er darüber vielleicht einmal in Karlsruhe sprechen werde — was allerdings nicht geschehen ist. Als ich die Treppe hinunterstieg, hatte ich, ähnlich wie bei Gundolf, das Gefühl, bei Ahasver gewesen zu sein, der nur zum Schein ein griechisches Gewand trug. JLfem Kölner Philosophen Max Scheler bin ich zum erstenmal im Jahre 1925 aus Anlaß der Gründung des China-Instituts in Frankfurt am Main begegnet. Ich saß im Foyer des Frankfurter Hofs, als Graf Keyserling plötzlich aus dem Sitzungszimmer des Kuratoriums heransstürzle, hinler ihm Max Scheler und Hans Prinzhorn. Graf Keyserling kam auf mich zu und sagte direkt zu mir: „Kommen Sie, ich stelle Ihnen Max Scheler vor." Das ging alles so blitzschnell, daß ich nicht einmal die Möglichkeit gehabt hätte zu sagen, daß ich das nicht wünsche. Selbstverständlich wünschte ich es aber. Graf Keyserling siebte mich vor als den Herausgeber der „Synthese". Diese Zeitschrift halte es nur auf vier Hefte gebracht und war damals schon eingegangen. Aber Keyserlings Grill' war instinktiv richtig, denn Scheler hat die Zeitschrift tatsächlich gekannt. Diese flüchtige» Bekanntschaft ging selbstverständlich nicht über eine höfliche Formalität hinaus. Immerhin fiel mir im Verlaufe des Gesellschaf Isabends auf, daß Scheler öfters aus dem Kreis mit Keyserling und Frobenius seltsam schwankend verschwand und in einer Ecke irgendein Glas leerle. Seine Augen waren ebenso seltsam verschwommen und seine Hände zitierten nervös. Ein Jahr später begegnete ich Scheler wieder während der Tagung des China-Instituts im Goethe-Haus. Richard Wilhelm, ein Mensch mit seltenem Stilgefühl, interpretierte eine Stelle aus dem ..Buch der Wandlungen4" mit Parallelen zu Goethe und Laolse. Scheler saß neben Frobenius ganz in meiner Nähe. Das Einglas T^lax Scheler oder Das Chamäleon in der Philoscjthii