Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1932)
- Article
- Holzsynagogen in Polen
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 310 (sequence 14)
- Language
- German
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310 MENORAH Auch beweisen schon Namen, wie die oben erwähnten Simche Weiß, Hillel Benjamin und Jehuda Leeb, daß es auch an jüdischen Baumeistern nicht gefehlt hat, wenn auch die Vernichtung der Archive viel dazu beigetragen hat, daß wir hier meist nur auf Vermutungen angewiesen sind. Anderseits aber verraten die Holzsynagogen Polens eine auffallende Analogie mit der Prof an-Architektur des Landes, so daß man sie —■ unter einem bestimmten Gesichtspunkt — als einen wesentlichen Bestandteil der Holzarchitektur dieses Bodens anseilen könnte. Schon die konstruktive Ausbildung des Baues zeigt uns die Abhängigkeit von der Holzbaukunst Polens. Der in diesem Lande so geläufige Block-, Bohlen- und Sländerbau wird auch auf den Synagogenbau übertragen. Ebenso die für die Verbindung der Hölzer nötigen Konstruktionen; auch die Dachkonstruktion folgt der im Lande üblichen und macht mit dieser alle Entwicklungsstufen durch. Die architektonische Ausgestaltung zeigt den Synagogenbau im Banne der bodenständigen Kunst. Dies ließe sich allerdings als eine natürliche Folgeerscheinung der Betätigung polnischer Zimmerleute beim Bau des jüdischen Gotteshauses deuten. Das traditionelle polnische Doppeldach, das bis auf die Zeit Kasimir's des Großen zurückgeführt werden kann, wird bei den Synagogen Polens fast ausschließlich als Dach der Männersynagoge verwendet. Die Stirnseite des Daches ist entweder abgewalmt oder aber durch Vorstoß und Giebel abgeschlossen. Beide Lösungen findet man in der polnischen Kunst immer verwendet, besonders die letztere, die sich aus der Rauchkammerstirne des Bauernhauses ableiten dürfte. Der Giebel wird, wie zum Beispiel bei der ruthenischen Kirche in Chodorow und bei Bauernhäusern in Jablonow, durch ein ausgeschnittenes Giebelbrett geziert, die Giebelfläche durch verschieden gemauerte und gefärbte Schalbretter belebt. Die Synagogenbauten haben auch diese Motive übernommen. Als dann um 1800 der Profanbau die geschweifte Giebellinie verwendet, überträgt sie auch der Jude auf den Bau seines Gotteshauses, wie zum Beispiel bei der Synagoge in Zydazow. Ebenso dürfte die Deckung der Frauenabteilung durch mehrere, normal zur Außenwand gelegte Satteldächer der heimischen Kunst entlehnt sein, da auch die Profanbauten Frontgiebel erhielten, also die Dächer normal zur Außenwand gelegt wurden. Die heimische Kunst verwendet bis zum 19. Jahrhundert die große weit ausladende gotische Hohlkehle51) als vermittelndes Glied zwischen B1) Siehe Detlefsen, Bauernhäuser und Holzkirehen in Ostpreußen.