Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 282 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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282 MENORAH Es ist rührend, mit welchem Eifer die demokratischen Organisationen in verschiedenen Städten des Westens Geldsammlungen durchführen und aus dem Erträgnis immer neue prachtvolle Pavillons errichtet werden. So ist u. a. den jüdischen Arbeitern von San Franzisko ein herrliches Gebäude für Schwerkranke zu verdanken. Das Sanatorium besitzt schon mehrere solcher prächtiger Gebäude, die alle mit dem Gelde armer, jüdischer Arbeiterorganisationen errichtete wurden und durch die Energie und Hingabe der in Los Angeles lebenden Juden aus Osteuropa erhalten werden. Die reichen Schichten von Los Angeles stehen noch bis heute abseits, Hindernisse können sie allerdings der Sache nicht mehr bereiten, da das Sanatorium sich zu einer wichtigen Institution entwickelt hat. Es ist interessant, die Gründe für ihre Gegnerschaft kennen zu lernen. Kurz bevor ich Los Angeles verließ, führte mich ein Freund zu einer angesehenen und reichen jüdischen Dame der Gesellschaft der Stadt, die in philantropischen Kreisen großen Einfluß besitzt. Diese Dame hat großes Interesse für alle jüdischen Angelegenheiten, auch für jüdische Literatur und Kultur. Daher meinten meine Freunde, ich könnte einen gewissen Einfluß zu Gunsten des Sanatoriums üben. Als ich die Dame auf das wahrhaft rührende brüderliche Gefühl hinwies, das so viele Juden von Los Angeles ihren kranken Glaubensgenossen beweisen, und fragte, warum die reichen Juden der Stadt abseits stehen, erklärte sie mir offen: .,Wir fürchten, das Sanatorium könnte zuviele jüdische Zuwan derer nach Los Angeles ziehen — und das kann uns schaden. Unsere wichtigste Aufgabe aber ist, uns selbst zu schützen.'; Im Sanatorium befinden sich, wenn ich recht unterrichtet bin, etwa hundert Kranke, doch hunderte und aberhunderte warten darauf, bis die Reihe an sie kommt und ein Bett frei wird, das sein letzter Besit zer vielleicht mit einem Lager aus Erde vertauscht hat. Die ganze Atmosphäre ist anheimelnd, brüderlich, wie man es so häufig in den Institutionen findet, die von Arbeitern geschahen wurden und verwaltet werden. Die meisten Kranken stehen im jüngeren Alter, es sind viele Mädchen darunter, die aus den Werkstätten kommen, auch sehr junge Männer. Altere Leute sah ich nur wenige. Die meisten Insassen kommen natürlich aus New-York, der Rest aus den anderen Industriestädten, wo es jüdische Arbeiter gibt. Fast 90 Prozent des Belags sind Arbeiter. Die Krankheit selbst hat etwas Tragisches und seltsam Erhabenes. Die von ihr befallen sind, machen nicht den Eindruck von Kranken, sondern von Menschen, deren geheimnisvolle Leiden unter einem Schleier ver-