Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 281 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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QUER DURCH AMERIKA 281 demokratischen Elemente aller Richtungen — den jüdischen Kranken erweisen, die unter der Sonne von Los Angeles Rettung suchen. Noch mehr als in anderen Städten herrscht in Los Angeles Wohnungsmangel, da die Stadt sehr rasch wächst. Und es kommt häufig vor, daß Juden in ihren Häusern zugewanderten kranken Familien Aufnahme gewähren, ohne der Gefahr einer Ansteckung zu achten. Ich hatte selbst Gelegenheit, solche wahrhaft brüderliche Hilfsbereitschaft bei einigen meiner Bekannten zu beobachten. Doch das Schönste und Beste, was die Juden von Los Angeles geschaffen haben, ist das Sanatorium für Lungenkranke. Jeder „Persönlichkeit", die Los Angeles besucht, wird als erste Aufmerksamkeit eine Führung durch das Sanatorium erwiesen. Wenn man mit einem Juden von Los Angeles, der zu den demokratischen ..Elementen" gehört, ins Gespräch kommt, so ist das erste Thema, welches das .,Element*' anschneidet, das Sanatorium. Was für die Juden anderer Städte Parteien, Organisationen, Richtungen, Rußland, Palästina bedeuten, das bedeutet für Los Angeles das Sanatorium. Das ganze gesellschaftliche Leben „kreist'' um das Sanatorium. Alles ..arbeitet" für das Sanatorium. Im Zeichen des Sanatoriums haben alle Parteien Frieden geschlossen. Für einige von ihnen bedeutet es Lebensinhalt, Programm, Persönlichkeit. Noch nie habe ich eine solche Hingabe, ein solches Interesse an einer Sache gesehen, wie es die Juden von Los Angeles an ihrem Sanatorium für Lungenkranke zeigen. Das ist kein Wunder. Das Sanatorium von Los Angeles wurde nicht wie andere Institutionen dieser Art durch die Philantropie von Fremden erbaut, sondern durch die demokratischen Elemente unter den Juden gegen den Willen und trotz der Hindernisse der Reichen. Das Sanatorium von Los Angeles ist gewissermaßen von selbst entstanden: ,,Als Kranke in immer größerer Zahl nach der Stadt kamen, mußte man für sie einen geeigneten Platz schaffen", — so erzählt mir einer der Gründer —. „Die deutschen Juden fürchteten, wenn wir ein Sanatorium erbauten, so würde dies noch mehr Kranke nach Los Angeles ziehen. Daher leisteten sie beim Bau nicht nur keine Hilfe, sondern erwirkten sogar, daß die Stadtgemeinde einen Beschluß gegen den Bau des Sanatoriums faßte. Doch wrir erwarben, ehe noch jemand etwas davon merkte, einen Baugrund außerhalb der Stadt zwischen Orangen und Zypressenhainen, stellten ein paar Leinenzelte auf, schoben einige Betten hinein, nahmen etliche Kranke auf — und seither haben wrir ein Sanatorium. ' Von jener Zeit an entwickelt sich das Sanatorium unaufhörlich.