Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 280 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2912821-2912916-2912921-2928409--11485-2928510- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
280 MENORAH Gesellschaftsordnung des kapitalistischen Systems, in der wir leben" — so heißt es in den sozialistischen Propagandascbriften. Tatsächlich ist die Schwindsucht eine jüdische Proletarierkrankheit. Ihre Opfer sind die ..Gefallenen auf dem Schlachtfeld des Lehens". Los Angeles ist ihre letzte Hoffnung, von der sie in der Stickluft des Shop phantasieren, während sie den letzten Blutstropfen aus ihren zerfressenen Lungen speien. Zu tausenden und abertausenden leben sie in der Riesenstadt New- York, in den Städten der Provinz. Manchmal gibt es Hilfe von guten Freunden: sie mieten ein Theater, veranstalten eine Benefiz Vorstellung — das letzte Kissen wird verkauft und dann wandert man mit Weib und Kindern in das Land der ewigen Sonne, die der kranken Lunge Heilung bringen soll. Man wartet nicht, bis ein Platz im Sanatorium frei wird, denn man ist überzeugt, daß schon die Luft von Los Angeles Gesundung geben wird. In den letzten Jahren haben sich in Los Angeles Leicht- und Schwerkranke angesiedelt, zumeist bemittelte Leute, die ein Geschäft angefangen haben. Aber auch eine große Zahl von Arbeitern wandert zu. Die Stadt wächst sehr rasch und mit ihr — die jüdische Bevölkerung. Es dürfte nicht lange dauern, bis Los Angeles zu den am stärksten von Juden bevölkerten Städten zählen wird. Zum Lobe der jüdischen Bevölkerung des kalifornischen Paradieses muß gesagt werden, daß die Juden in Los Angeles kein Ghetto geschaffen haben, wie sie es in den anderen amerikanischen Städten in der Nachbarschaft der Neger oder Italiener in den engsten und düstersten Gassen zu tun pflegten. In Los Angeles siedeln sich die Juden zumeist in den geräumigen Vierteln, fernab vom Handelszentrum an und bewohnen moderne Ein- oder Zweifamilienhäuser, wie es in der letzten Zeit auch in New-York immer häufiger der Eall ist. Ich weiß nicht, ob die Natur des Landes das mit sich bringt — aber Tatsache ist, daß es in keinem jüdischen Viertel einer anderen amerikanischen Stadt so sorgfältig gepflegte Hausgärten gibt wie rings um die von Juden bewohnten Häuser von Los Angeles. Die Zufahrtwege sind mit Palmen bepflanzt und vor und hinter den Häusern breiten sich Sommer und Winter sattgrüne Grasflächen aus. Es ist kein ungewöhnlicher Anblick, daß jüdische Arbeiterfrauen mit Schaufel und Rechen liebevoll ihr Hausgärtchen bearbeiten. Die Judengassen von Los Angeles sind so blitzsauber, daß es eine wahre Freude ist. Ganz besonders aber muß die brüderliche Hilfsbereitschaft hervorgehoben werden, welche die Juden von Los Angeles — besonders die