Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Article
- Zwischen den Fronten
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 262 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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262 MENORAH und Berschebal" Und wer konnte so klug sein, mir zu sagen, was in Jerusalem und in .Inda geschah? Da begegnete ich einem mir bekannten türkischen Würdenträger, dem ehemaligen Leiter des Postamtes in Jaila, der zu jener Zeit die Feldpost in Damaskus leitete: „Wollen Sie Neues erfahren?" sagte er mir und schlug mir vor, mir für einige Pfund die für Djemal Pascha bestimmten französischen Zeitungen zu geben . . . In einem finsteren Keller unseres Hotels traf ich mich mit meinen Freunden, und im Scheine einer Kerze lasen wir, nein! sahen wir uns vor allem eine Aufnahme in der Wochenschrift „Illustration" an mit der Überschrift: „Allenby und seine Truppen bei ihrem Einzug in Jerusalem.Wir lasen von den Erfolgen der Entente an der europäischen Front und Einzelheiten und Kommentare über die Balfour-Deklaration. Indessen wurde ich von Dr. Ruppin mit einem dringenden Telegramm für einen bestimmten Termin nach Konstantiiiopel berufen. Ich ordnete alle Angelegenheiten im Evakuieriingsausschuß. erhielt die nötige Reiserlaubnis und fuhr nach Konslantinopel, um an der Beratung teilzunehmen, die von den Führern der deutschen „Agudas Jisroel'' — dem Rabbiner Hurwitz und seinen Anhängern -— einberufen wurde, im Einverständnis mit Dr. Ruppin und Dr. Jacobsohn, der damals ebenfalls in Konstantinopel in einer politischen Mission weilte. Deutschland hatte es begnlfen. daß England mit der Balfour- Deklaration einen sehr klugen Schritt unternommen hatte und gab der zionistischen Vertretung den Wink, ihm zu einem ähnlichen Schritt zu verhelfen. In jenen Tagen wurde eine jüdische Delegation von der deutschen Regierung empfangen, die sich in pythischen Worten zugunsten Palästinas aussprach. Um diesem politischen Schachzug größeres Gewicht zu verleihen, wurde diese Bendung nach Konstantinopel einberufen, und Dr. Ruppin fand es für nötig, daß auch ich, nls Bevollmächtigter des Jischuw in Palästina, an ihr teilnehme. Bei dieser Beratung wurde der Beschluß gefaßt, eine Delegation auch an den Vezir des Innern Taalat Bey zu entsenden, der sieh gleichfalls in dunklen Worten für eine kulturelle jüdische Autonomie in Palästina und anderes mehr aussprach. Nachdem ich etwa zehn Tage in Konstantinopel geweilt haltt1, kehrte ich nach Damaskus zurück. Überall fühlte man das Ende herannahen. Die deutschen Truppenkonimandeure verließen die Front, der eine ging nach Berlin, der andere nach Konstantinopel. Auch ich beschloß, die ..Front" zu verlassen und nach Ilaifa zu gehen, um von dort aus meine Arbeit im E vakuierimgsauschuß zu leiten.