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Menorah · 1932-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1932) · p. Seite 255

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1932)
Article
Zwischen den Fronten
Date
1932-05-01
Page
Seite 255 (sequence 4)
Language
German
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ZWISCHEN DEN FRONTEN 255 ..Dann sperren Sie mich ein!!" rief ich verzweifelt und schrak zurück wie von einer Schlange gebissen . . . Mein Geschrei unterbrach ihn. und ich hatte in diesem Augenblick nur das Gefühl eines tiefen Schmerzes. ..So sperren Sie mich ein, wenn Sie mich für einen Spion halten, sperren Sie mich ein. zusammen mit all den Unschuldigen! Zwei oder drei Spione wurden entdeckt, und deshalb sollen wir durch die Bank verdächtigt werden?! Gibt es denn keine Spione unter den Türken? Und warum wendet sich der ganze Zorn nur gegen die Juden?! Ihre Militär- und Zivilbehörden suchen ein Opferlamm für ihre Unfähigkeit, darum beschuldigen sie uns, daß wir mit Spionen und Verrätern im Bunde wären. Aber das ist nicht wahr! Wir sind rechtschaffene Leute und sind uns unserer Pllicht als ottoinanische Bürger bewußt! Wir haben die Türkei weder verraten, noch etwas gegen sie unternommen. Wir sind rechlschalVen!" Einen Augenblick musterte mich der Tyrann, und sein Zorn schien sich gelegt zu haben. Er wies mir einen Platz an und entgegnete: .,Wenn ich Sie als Verräter betrachtet hätte, so hätte ich Sie nicht empfangen. Aber denken Sie an die Enttäuschung, die ich an Ihnen erlebt habe. Alle Freunde haben mich gewarnt und gesagt: Traue den Juden nicht. Ich aber habe die Juden begünstigt. Kaiser Wilhelm wollte mir tüchtige Techniker aus Deutschland schicken, ich habe es jedoch abgelehnt, indem ich sagte, ich hätte verläßliche jüdische Fachleute in Palästina. Nun hat mir Ahronson seine Ehrlichkeit und Verläßlichkeit bewiesen! Ich gab ihm die Möglichkeit, zum Zwecke seiner angeblichen wissenschaftlichen Ausbildung nach Berlin zu reisen, er aber Hob zu den Engländern und organisierte eine derartige Spionage gegen uns! In Konstantinopel sprach ich mich für die Ottomanisierung der Juden aus. ich glaubte an Euch, ich sah Eure Kolonien und förderte sie, mil Ihnen und Antebbi wollte ich mich verbinden, um den Zionismus zu verwirklichen. Und nun: nous sommes trahi! Wir sind die Betrogenen!" In meiner Entgegnung betonte ich lediglich folgendes: Wenn ein zelne in einer solchen Zeit sich des Verrates schuldig gemacht haben, so haben sie sich damit von selbst aus der Volksgemeinschaft ausgeschlossen. Wenn sie erwischt werden, so sollen sie schonungslos behandelt werden, aber ein ganzes Volk verdächtigen, das wird kein moderner Regent tun! Als ich sah. daß sein Zorn sich gelegt hatte, bat ich ihn. meine beiden Freunde Brüll und Kalvarisky — die beiden Vertreter der Ica.

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