Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Article
- Der Sohar
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 244 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 1× ep/1046078
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244 MENORAH gehörte zu den Lehrern, die in Uscha das Synhedrion erneuerten. Öffentlich trat er gegen die heidnische Zivilisation auf, wurde verfolgt und mußte, nach den Berichten des Talmud, um dem Tode zu entgehen, viele Jahre in einer Höhle leben. Dort lebte er dreizehn Jahre in das Studium der Lehre vertieft, dort stellte er seine tiefen Spekulationen an. Er ließ sich dann in Meron bei Safed nieder, wo sein Grab ist. das bis heute Wallfahrtstälte für viele Tausende von Pilgern aus weitester Ferne ist. Er war ein großer Gesetzeslehrer seiner Zeit, wird in der Mischnah 3 2 Ornat genannt und gelangte durch die Zurückführung der Autorschaft des ,,Sohar" auf seinen Namen zum Muhme des II e r o s d e r K a b b a 1 a h. Bis zur Stunde trägt der ..S o h a r" seinen Namen, figuriert er in allen Ausgaben als Verfasser und gilt sicherlich Hundert lausenden als solcher. Dieses merkwürdige Buch, vielumkümpf t, verhimmelt und verlästert, hat seine Geschichte. Wie tief seine Wurzeln, wie weit in der Zeit zurück seine Quellen liegen, ist unbestimmbar. Jeder verständnisvolle und objektive Leser fühlt, daß hier urtümliches Gut ältester orientalischer — nicht nur jüdischer — Weisheit zusammengetragen ist, das, nach meiner Meinung, nicht nur so alt ist wie die Traditionen des Talmud und Midrasch mystischen Inhalts, sondern vielleicht auch in altägyptische und altbabylonische Zeit hinaufreicht. Eine „Überlieferung für die Eingeweihten'' (Kabbalah) gab es seit jeher. Dieses Urgut liegt nicht zutage. Was sichtbar ist, stammt aus späterer Zeit, aus zahllosen Strömungen dichtender und denkender Phantasie verschiedener Völker, ist Ergebnis ringender Sehnsucht. Gott zu erkennen, die Welt zu erklären, den Menschen, als Mittelpunkt der Schöpfung, in seiner Stellung zu Göll und Welt zu erfassen und darzustellen. Die jüdischen ./Heiligen Schriften" verfolgen die Tendenz, einen reinen Gottesbegrilf gegenüber allem, auch dem edelsten Heidentum, zu übermitteln und ..Israel" zum geläuterten Träger dieser Idee zu machen. Die Bibel als Ganzes dient diesem Endziel. Alles, was sie erzählt, lehrt, gebietet, verbietet, ist ihm unterworfen. Das wußten alle Baumeister und Kärrner aller Zeiten der jüdischen Welt und wissen es bis heute. In diesen Dienst hat sich auch das „Gesetz'* nach seiner Art gestellt und zu stellen und nicht minder die jüdische Philosophie, jüdische Religion, jüdisches Volksbewußtsein und — so sonderbar es klingen mag — auch die j ü d i s c h e M y s t i k. Letzten Endes ist das auch Zweck und Ziel des ..Sohar ".