Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Article
- Der Sohar
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DER SOHAR 243 für keine Grundlage bilden. Nein. Schon im Pentateuch sind zahlreiche Stellen, die nur mystisch verstanden werden können und nächst den Theophanicn der Propheten, besonders Ezechiels, tatsächlich den Ausgangspunkt l'iir den Aufbau mystischer Systeme bilden, die in die Kabbala münden und ihren endgültigen Charakler im Grundwerk aller Kabbala, im S o h a r gefunden haben, d e r d i e B i 1> e 1, d a s h o i Li g e B u c h. d e r k a 1) b a 1 i s t i s c h e n G e h e i m 1 e Ii r e g ew o r d e n i s t. IT eilig gesprochen hat dieses Standard-Werk der Geheimlehre der gewaltige Kreis der Kabbalisten und deren mittelbarer Nachfolger, der Chassidismus. Es kann und darf nur insofern heilig genannt werden, als es sich mit Fragen beschäftigt, welche der jüdischen Menschheil als heilig galten. Gegner der Lehre halten und hielten es nicht für heilig. Ein berühmter Rabbiner der Neuzeit, Rabbi Elieser Flekeles in Prag, ein Schüler des Rabbi Ezechiel Landau, (Nöda bi-Jehudah) hat in einem Responsum mit MuL und Kühnheil gesagt: ,,Der Sohar ist nicht heilig gewesen und wird es niemals sein.*' Das Werk bewahrte seinen Einfluß trotz aller Anfeindung und Gegnerschaft durch Jahrhunderte in gewissen Kreisen mit alter Kraft. In jedem Falle aber ist es eine literar- und kulturgeschichtlich wichtige, hochinteressante Erscheinung. Es tritt, wie erwähnt, plötzlich gegen Ende des dreizehnte1]! Jahrhunderts auf, das auch im christlich-europäischen Geistesleben sehr starke mystische Impulse aufweist. Der Kabbaiist Mose Ben S c Ii o in l o h de Leon verbreitet den „Sohar** als eine Schöpfung des Zeitgenossen des Rabbi Akiba und seines Kreises, des S c h i m'o n ben Jochai. Mose de Leon lebte ungefähr 1250—1305 in Spanien. Die neuesten kritischen Forschungen (Zeitlin, Scholem) stellen fest, daß de Leon unmöglich der alleinige Verfasser des ..Sohar'* gewesen sein könne, genau so. wie seit jeher in ernsten, wissenschaftlichen Kreisen die Autorschaft Schim'on ben Jochars keinen Augenblick angenommen worden ist. Der Mitverfasser und Redakteur des Sohar * de Leon hat mit gutem Grunde Schim'on ben J o c Ii a i als alleinigen Verfasser genannt. Darin lag Tendenz. Dieser, von Sagen und Legenden umwobene Tannaite galt als Träger der Geheimlehren über Schöpfung (Maasse Beresehith), Gott, (Maasse Merkabah) Mensch und Welt, die ölYentlich nicht besprochen, sondern nur Eingeweihten und Auserwähllen überliefert werden durften. Schim'on ben Jochai. Schüler des Rabbi Akiba in Bene Berak,