Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Article
- Der Sohar
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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242 M ENO i\ A 11 festen Boden, natürlichen oder künstlichen, unter den Füßen. Frei schweifender Gedankenfluß konnte da nicht leicht in Irre und Verworrenheit führen; wohl aber zu dem quälenden Bedürfnis, Lehen in die Starrheit, Wärme in die kalte Gesetzlichkeit zu bringen. Oder ist es vielleicht doch so, daß einer sehr großen Gruppe gesetzlicher Normen seit jeher tiefer, symbolischer Sinn innewohnt, für den die concreto Übung nur Hülle nicht Wesen bedeutet? Auch für diese Anschauung, die im ganzen antiken und späteren Schrifttum großen, breiten Raum einnimmt und klassische Vertreter hat, ist in der Heiligen Schrift selbst die Basis gegeben. Niemals haben sich Denkende mit dem dürren Befolgen abgefunden; immer haben sie nach Gründen gesucht und gefragt. Man kann bei den Lehrern des klassischen tahündischen Altertums deutlich voneinander abweichende Methoden der Auslegung des Schriftworts unterscheiden; die wörtlich-gesetzliche und allegorischsymbolische. Es gab ehen H a 1 a c h i s t e n und A g a d i s t e n: Anerkannte Autoritäten auf dem einen oder anderen Gebiet oder auf beiden Das läßt sich bis in die ältesten, uns bekannten Zeiten der schriftlichmündlichen Tradition hei Sofer im. Tanaiten, Amoräern und deren Nachfolgern aus reichlich, überreichlich fließenden Quellen erweisen. Auslegungsregeln, wie etwa die Middoth bei den gesetzlichen Teilen, oder gar ein bestimmtes System gab es bei der freien, allegorisch-symbolischen Interpretation nicht, keineswegs durchgreifend. Erst die innige Berührung mit griechischer Philosophie hat bei dem Meister der Allegorie zu einem System geführt, bei dem Alexandriner Phil on, der sozusagen das ganze Gesetz, die ganze Lehre allegorisch, symbolisch, typologisch deutet und auffaßt und namentlich die biblischen Erzählungen mit den vielen Gestalten und deren Leben durchgeistigt allegorisiert. Von hier aus war nur ein Schritt zu der neulestanientlichen Tendenz, Wort und Gesetz zu spiritualisieren; allerdings auch der Willkür und ungezügelten Phantasie Tür und Tor zu öffnen. ..Die Pforten der Deutung sind nicht verschlossen'', ist auch für M a i m o n i d e s ein geltender Grundsatz. Die jüdische Religionsphilosophie hat sich derselben ausgiebig bedient und bedeutende Exegeten, wie I b n E z r a. Moseb e n N a c h m a n und L e v i b e n G e rs o n. haben oft davon Gebrauch gemacht. Das ist auch der Weg, den die M ystik beschritt, die sich mit den tiefsten und geheimsten Problemen befaßt und an die G n o s i s knüpfend ihre Spekulation über Gott. Schöpfung, Welt und Leben anstellt. Es ist unrichtig, zu behaupten, daß die biblischen Schriften da-