Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Article
- Holzsynagogen in Polen
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 228 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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228 MENORA.H Für die reiche Ausgestaltung des Daches über der Frauenabteiiung ist die eben erwähnte Synagoge ein gutes Beispiel. Hier war das Dach des Frauenbetraumes nicht, wie bei den späteren Anlagen, mit einem einfachen Pultdach überdeckt, sondern mit kleinen Satteldächern, deren Firste normal zur Längswand des Raumes liefen und vorne durch einen Giebel abgeschlossen wurden. Im Zusammenstoß der Dachflächen war eine Rinne aus Holz zum Abfluß des Wassers eingelegt. Gloger führt die Art der Überdeckung der Frauenabteilung auf die Anlage der Bürgerhäuser zurück, die ja mit Giebeln an der Front versehen waren. In den Synagogen von Wolpa, Zabludow und Jedwabne kann man aus den Ausnehmungen, die an der Außenwand der Männerabtei lim g zum besseren Anschluß der Deckung gemacht wurden, entnehmen, daß auch bei diesen über der Frauenabteilung die eben besprochene Ausbildung des Daches verwendet war. Heute deckt die Frauenabteilung ein einfaches Pultdach, da Rinne und Dach bei Anordnung der Querdächer stark den verderbenden Einnässen der Feuchtigkeit preisgegeben sind. In Kleinpolen ist das einfache Pultdach zur Überdeckung der Parterreanbauten die ursprüngliche Dachbildung. Die konstruktive Ausbildung des Daches über der Männerabteilung ist vor allem von der Ausbildung der Decke dieses Raumes abhängig, je nachdem ein flacher oder gewölbter Plafond gewählt wurde. Bei jenen Synagogen, welche Flachdecke oder sichtbares Gespärre besitzen, ist es möglich, Bundträme anzuordnen, während bei jenen mit tonnen- oder kuppeiförmiger Decke es notwendig war, einen Rahmen aus Wechsel und Bundtram zu konstruieren, der die Dachlast übernimmt. Die Dächer selbst sind nach zwei Systemen errichtet, und zwar entweder als Kehlbalken oder als Dach mit Stuhlpfette. Der Kehlbalkendachstuhl, bei welchem alle Gespärre die gleiche Ausführung zeigen, besteht aus dem Sparrenpaare und einem oder mehreren Kehlbalken. Diese sind manchesmal, wie bei der Synagoge in Kamionka-strumilowa, durch Bügen verstärkt, die, sowie die Balken selbst, überplattet angearbeitet wurden. Bei der eben genannten Synagoge sind die Kehlbalken außerdem noch an der Hängesäule aufgehängt. Bei kleinen Spannweiten begnügt man sich, statt der Kehlbalken gekreuzte Streben anzuordnen. Um von der geraden Dachfläche des Satteldaches auf die gebrochene des Doppeldaches übergehen zu können, wird auf den Tragsparren ein Sparrenschifter befestigt, der sich an seinem untern Ende gegen den über das Gespärre vorspringenden Kehlbalken abstützt.