Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 210 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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210 ME N O RAH Weg von ein paar Minuten. Die Japaner assimilieren sich viel schneller als jedes andere orientalische Volk, doch diese Angleichung ist nur äußerlich und erstreckt sich lediglich auf die Kleidung. Betritt man aber das Japanerviertel, wo die Söhne des Sonnenreiches in Massen wohnen, so fühlt man sofort das fremdartige Wesen dieses Volkes, seinen kindlich spielerischen Geist und den hellen Frühlingshauch, der alles, was japanisch ist, umgibt. (Das Japanerviertel ist das sauberste von allen Fremdenvierteln in Los Angeles. Die Häuser sind klein, höchstens ein bis zwei Stockwerke hoch. Fast alle sind Hotels. Dies kennzeichnet beinahe sämtliche Fremden viertel, das japanische ebenso wie das mexikanische. Die mexikanischen Farmarbeiter, die zeitweise vom Lande in die Stadt kommen, brauchen eben eine Unterkunft. Im Japanerviertel dienen die Hotels den japanischen Farmarbeitern und Farmern, deren Zahl in Kalifornien sehr ansehnlich ist. Während jedoch das Mexikanerhotel den Eindruck einer Bierkneipe und Spielhölle macht, in der es nach Mord und geheimnisvoller Untat riecht, ist das japanische Hotel ein kleiner Palast aus tausend und einer Nacht. Alle Fenster sind mit Zierpflanzen und den schöngeschwungenen Ornamenten der japanischen Schriftzeichen geschmückt. Die Türen und die Marmortreppen der Gebäude blitzen vor Sauberkeit. Vor dem Eingang hängt stets die charakteristische, japanische Laterne und verbreitet am Abend freundlich einladenden Schein. Die Kaufläden der Japaner sind peinlich rein, die Waren in den Schaufenstern künstlerisch angeordnet. Die große Zahl von japanischen Druckereien mit ihren farbigen, zarten Stichen fällt auf. Die Obsthändler stapeln ihre Ware kunstvoll, mit viel Geschmack und noch mehr östlicher Geduld auf. Restaurants gibt es wenig. Dafür aber stößt man sehr häufig auf Bäder, die nur von Orientalen betreten werden dürfen. An allen Läden findet man die typisch-japanischen Schilder auf Goldgrund. In den Schaufenstern sind stets die bekannten japanischen Zwerggewächse zu sehen. Die Frauen und Kinder sind fast durchwegs japanisch gekleidet, die Männer dagegen bereits europäisch. Sämtliche Läden in dem japanischen Viertel, das eine ziemlich große Zahl von Straßen umfaßt, gehören Japanern, die Waren dagegen, die darin feilgeboten werden, sind durchwegs amerikanischen Ursprungs. Im mexikanischen Viertel dagegen gehören sämtliche Läden für die Gegenstände des täglichen Gebrauchs Juden. Es muß zugestanden werden, daß die Händler ihre mexikanischen Kunden nicht allzu reell bedienen. Sie tun jedoch nur das gleiche, was die kalifornischen Obsthändler etwa in New York tun. Ebenso