Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 209 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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QUER DURCH AMERIKA 209 Die Frauen sind durchwegs brünett und zeigen den echt spanischen Typ mit feurigen, dunklen Augen und tief schwarzem Seidenhaar. Sie sind klein, ein wenig üppig, haben kräftige Hüften und wohlgeformte, kleine Füßchen. Ebenso wie die Männer haben auch sie Vorliebe für Schmuck, überdies sind Spitzen ihr Element. Die mexikanischen Gold- und Silberfiletstickereien, die sie tragen, sind das Schönste in dieser Art, das ich sah. Nach Zigeunerart lieben sie es auch, Geldstücke als Schmuck zu verwenden. Lange Ketten aus Silber- und Goldmünzen beschweren ihnen Hände und Nacken. Die Farbe ihrer Kleider ist nach spanischer Art schwarz, das gewöhnlich verwendete Material ist Seide. Rote Blumen im Haar, Gebetbüchlein in den Händen gehen sie Arm in x\rm mit ihren Kavalieren Sonntags in die Missionskirche. Um sie liegt eine Duftwolke aus dem schweren, zu Hause hergestellten Parfüm, vermischt mit dem Zwiebel- und Knoblauchgeruch ihrer Speisen. Das ganze Leben spielt sich, ähnlich wie im Orient, auf der Straße ab. Überall stehen improvisierte Küchen, an denen schöne, spanische Mädchen und dicke Duennas, die aus dem Don Quiohote entsprungen zu sein scheinen, eifrig hantieren. Auf den Herden braten und brodeln allerlei Fleischgerichte, kräftig gepfeffert, stark gesalzen, mit Zwiebeln vermengt und mit Knoblauch geröstet. Der Duft der gebratenen Speisen läßt den Vorübergehenden das Wasser im Mund zusammenlaufen, reizt den xAppetit und weckt die Lust zum Essen und zu anderen Dingen . . . Neben den Bratküchen gibt es Stände mit Zuckerwerk und glutäugige, üppige Mädchen mit roten Rosen im Haar und starkem, lockendem Parfüm verkaufen Backwerk und Zuckerwaren. Nebenan aber ist der fliegende Buchhändler etabliert, der den Hunger deines Geistes stillt, ebenso wie vorher dein leiblicher Hunger gestillt ward. Zwischen der geistigen und leiblichen Nahrung besteht eine gewisse Verwandtschaft; derselbe stark gewürzte Duft, der den Eßwaren entströmt, scheint auch aus den buntfarbigen und schreienden Titeln der spanischen Schundromane aufzusteigen, die der ambulante Buchhausierer unermüdlich anbietet. . . Wenn man sich im mexikanischen Viertel von Los Angeles befindet, glaubt man in eine alte spanische Stadt, etwa nach Sevilla, ver schlagen worden zu sein. Und vor dem Auge entsteht das Bild der altspanischen Kavaliere, die in winzigen Schiffen den unheimlichen, unbekannten Ozean durchkreuzten, um neue Länder und neue Völker zu entdecken . . . Vom mexikanischen Viertel bis zum Viertel der Japaner ist ein