Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 208 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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208 MENORAH Indianer für die Franziskaner-Mönche bauten. Eine von diesen Städten ist Los Angeles. Das mexikanische Viertel liegt in der Altstadt, rings um die alte Kirche „Zu unserer lieben Frau von den Engeln", nach der die Stadt heißt. Djiese Kirche ist eine der wenigen, die sich von den alten Missionsgotteshäusern der Franziskaner erhalten haben. In ihrer Umgebung stehen mehrere alte Gebäude in spanischem Stil, der übrige Teil des mexikanischen Viertels ist modern. Aber die ganze Bevölkerung, viele Straßen weit, besteht aus Mexikanern. Es ist ein dunkelbrauner, großer Menschenschlag mit Indianeraugen, die scharfen Gesichter tragen deutlich die Charakterzüge der roten Rasse. Die Männer tragen steife, runde und flache Filzhüte mit breiten Krempen, die sogenannten Sombreros, Stiefel mit hohen Schäften und silbernen Sporen. Die meisten dieser Männer zählen zu dem Typus, dem man bei Nacht in einer dunklen Gasse nicht gerne begegnen möchte und der uns aus den Kinos gut bekannt ist. Denn die amerikanischen Filmerzeuger benützen diese Typen für die Darstellung von Banditen, Räubern und anderen Missetätern. Aber es genügt ein Blick in die guten, weichen Augen dieser großen, starken Wüstenkinder, um die gehässige Propaganda zu erkennen, die der amerikanische Film gegen Mexiko betreibt. Die Mexikaner sind eines der arbeitsamsten Völker des Landes. Die meisten von ihnen sind Fiarmarbeiter und führen ein elendes Dasein weit draußen auf dem flachen Lande, wo sie im Lohn stehen. Wochen- und monatelang sehen sie keine Menschenseele. Die freie Natur, in der sie leben, hat ihren Geist befreit. Wenn sie nach vielen Monaten harter Arbeit mit den wenigen Dollars, die sie von ihrem kargen Lohn erspart haben, in die Stadt kommen, dann trachten sie, ihr Geld so rasch wie möglich los zu werden. Wie alle Südländer haben sie große Vorliebe für bunte Farben und für Schmuck, vornehmlich für Silberfiligranarbeit, in der sie selbst Meister sind. Ketten und Ringe aus Silber, Silberischmuck auf den Sombreros, Silbersporen und silberbesetzte Gürtel, schreiend bunte Westen und Seidenhemden bilden den Gegenstand ihrer Wünsche. Auf der Straße des mexikanischen Viertels bei Los Angeles sieht man am Sonntag die mexikanischen Kavaliere in zerrissenen Hosen und arg mitgenommenen Röcken lustwandeln — dafür aber trägt jeder einen neuen breiten Sombrero, für den er oft 18 bis 20 Dollar gezahlt hat, und ein Paar elegante, schön gefaltete hohe Stiefel mit silbernen Sporen, sowie ein grellfarbiges Hemd, für das er im jüdischen Laden seiner Straße oft einen ganzen Monatslohn ausgegeben hat.