Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1932-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1932) · p. Seite 207

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1932)
Article
Quer durch Amerika
Date
1932-05-01
Page
Seite 207 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2912821-2912916-2912920-2928170--11324-2928302
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

QUER DURCH AMERIKA 207 brauchen und Lebensformen sind in jeder einzelnen Stadt zu sehen. Man muß keine große Reise machen, um in ein fremdes Land zu gelangen. Wenn man in New York von der Redaktion der jüdischen Tageszeitung „Forward" zum Broadway kommen will, so passiert man auf diesem Wege von etwa 15 Minuten drei Länder: zunächst ein Judenland, dann Italien, und wenn man einen Hang zur Romantik, Freude an Farben und Sinn für Exotik hat, so macht man, einerlei ob es notwendig oder nicht notwendig ist, einen kleinen Abstecher nach China. Wer nämlich mit offenen Augen durch das New Yorker Chinesenviertel geht, der sieht in dem einen Tropfen das ganze Meer des riesigen Reiches der Mitte. Im Osten der Nation werden die Völker sehr schnell assimiliert und so völlig im ,,Schmelztieger4 aufgelöst, daß man oft nicht mehr genau erkennen kann, wer vom Berg Libanon und wer von den Reisfeldern Chinas hergekommen ist. In New York liegt China zu nahe den jüdischen Altkleidergeschäften. Und wenn ein Chinese dort vorübergeht, so wird er von eifrigen Händen in einen jüdischen Kleiderladen gezerrt; ehe er sichs versieht, ist sein Zopf fort und er steckt in einem Paar Hosen, die von einem Gentleman aus Riverside Drive" stammen, in einem Schlußrock, den ein jüdischer Rabbiner getragen hat, in einem Hut, der ehemals einem jüdischen Schauspieler gehörte — und mit dem Chinesen ist es aus. Aber im amerikanischen Orient, an der Küste des Pacific, an dessen einem Ufer sich die „Venus", der Prater von Los Angeles, befindet und an dessen anderem Ufer sich die chinesischen Buddhatempel erheben — dort bewahren der Chinese und der Japaner ihre Eigenart, ihre Kleidung, ihre Lebensformen. Was New York für die Juden ist, das ist San Franzisko für die Chinesen und Los Angeles für die Japaner. Das interessanteste Viertel von Los Angeles ist unbedingt das mexikanische. Die mexikanische Bevölkerung ist die ursprüngliche von Kalifornien. Sie ist ohne Zweifel eine Mischung aus den spanischen Kavalieren, die zusammen mit den Franziskaner-Mönchen von Mexiko nach Kalifornien kamen, um die Indianer zum katholischen Glauben zu bekehren, und den indianischen Eingeborenen, die von den Mönchen getauft worden waren und in einem Zustand halber Sklaverei und halben christlichen Kommunismus gehalten wurden. Die Franziskaner lehrten die Neubekehrten europäisches Handwerk und andere nützliche Arbeit und erbauten Missionen in dem ganzen ebenen Gebiet von Kalifornien. Die meisten Städte des Landes verdanken ihnen ihre Entstehung und haben ihre Namen von den Kirchen, welche die i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.