Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 206 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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206 MENORAH sitzen auf Stühlchen, andere hängen auf dem Oberdeck des Autos — - und alles, alles fährt. Die „Stadt der Engel'* liegt wirklich in einem Paradies. Wie die Fassung um einen kostbaren Edelstein schlingen sich grüne Gärten um Los Angeles. Diese Gärten und die Stadt sind wiederum von himmlisch weißen, schneebedeckten Bergen umschlossen. Es ist der 10. März. Um die Mittagszeit ist die Sonne bereits heiß und ergießt trockene, erfrischende Helligkeit. Und ganz nahe erheben sich weiße Schneeberge, sie scheinen geradezu vor dem Fenster zu stehen. Der Schnee blitzt in der Sonne und es sieht aus, als stünde ein Stück Himmel dem anderen gegenüber. An die Schneeberge aber lehnen sich dunkelgrüne Hügel, die wie frischbesät aussehen, als hätten Menschen sie gepflügt. Meilenweit erstreckt sich dieses wellige Grün und sinkt talwärts. Da und dort klettern Orangengärten den Hügelhang hinan. Eine Gruppe junger, schlanker Cypressenbäumchen ragt aus dem Talgrund empor und verhüllt die Facade eines glänzendweißen, maurisch-spanischen Palastes; und im Schatten der gefiederten Palmen scheinen die schwarzen Amazonenköniginnen zu baden, die einst das Land beherrschten. Die ganze Landschaft ist voll romantischer Erscheinungen, weiße Paläste, grüne Palmen und dunkle Cypressen geben ihr das Gepräge. Dann erheben sich aus grünem Feld weiße, trockene Nußbäume, die aussehen, als wären sie aus Eis. Da und dort große Olivenwälder mit ihren knorrig verkrüppelten Stämmen. Und immer wieder da ein Hügel, dort ein Tal, mit dem frischesten, grünsten Grasteppich bedeckt. Zwischen den Bäumen lugt bald ein weißer Marmorpalast, bald ein goldrot schimmerndes Ziegeldach, das in der Sonne glänzt. Und über Berg und Tal zieht wie ein weißes Seidenband eine unendlich lange, hell asphaltierte Straße, zu beiden Seiten von Palmen, Cypressen, Orangengärten, von den rosa und weißen Aprikosen- und Kirschblüten umsäumt. Kann man in einem solchen Lande zu Hause hocken? So verlädt man denn die Kinder und den Eisenherd im Auto, packt das Bettzeug dazu und fährt drauf los. Man übernachtet im Freien zwischen Orangen- und Zitronenbäumen, klappt die Eisenbetten auf und stellt den Herd in der Nähe der Millionärspaläste von Pasadena auf. Man atmet dieselbe Luft wie die Millionäre und sieht dieselbe Welt wie sie . . . Und am nächsten Morgen packt man alles wieder ein und fährt in die Stadt zur Arbeit. xvmerika ist kein Land mit einer Menschengattung, sondern ein verkleinertes Abbild der ganzen Welt. Eine Unzahl von Sprachen, Ge-