Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 205 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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QUER DURCH AMERIKA 205 Kalifornien besuchte, waren die Orangen besonders gut geraten. Unter der Fülle der Früchte brachen schier die Äste und neigten sich tief zur Erde unter der schweren Last. Die Ernte an Orangen war diesmal übermäßig groß. Darüber waren die Pflanzer nicht allzusehr entzückt — so sagte man mir wenigstens. überall am Weg liegen Orangen umher und niemand nimmt sich die Mühe, sie aufzuheben. Vor jeder Pflanzung stehen die Besitzer und bieten ganze Körbe und Fässer von Orangen feil, einen vollen Korb für einen Vierteldollar. Die Zitronen werden gar nicht von den Bäumen abgenommen — angeblich deshalb, weil angesichts des Tiefstandes der europäischen Valuta die Italiener ihre eigenen Zitronen einführen und den Preis so unterbieten, daß die kalifornischen Zitronen keinen Absatz finden. Daher bleiben sie an den Bäumen hängen, fallen ab und faulen. Dieses Bild sieht man von Los Angeles bis San Diego, Als wir jedoch nach einer Reise durch einen wahren Zitronenstrom in San Diego ein Restaurant aufsuchten und einer meiner Reisegefährten sich zum Fisch eine Zitrone geben ließ, erschien nach einiger Zeit der Kellner, vorsichtig eine große Tasse vor sich balancierend; auf dieser stand ein kleines Täßchen und darauf lag, wie ein kostbarer Edelstein, ein Viertel einer kleinen, vertrockneten Zitrone. Los Angeles ist die spanische Bezeichnung für „Engel". Ich weiß nicht, ob die Bewohner von Los Angeles Engel sind — jedenfalls haben sie mit den geflügelten Himmelsbewohnern das eine gemeinsam, daß sie nie zu Fuß gehen. Jeder oder fast jeder Bewohner von Los Angeles verfügt über ein eigenes Auto. Es ist nicht überraschend zu sehen, daß ein einfacher jüdischer Arbeiter in Los Angeles zu seiner Arbeit nicht in einem überfüllten Autobus fährt, wie in New York, sondern in einem eigenen, allerdings nicht ganz neuen Auto, das er sich aus verschiedenen Typen zusammengesetzt hat. Man sieht nicht selten Wagen, deren vordere Hälfte ein Ford, die hintere ein Hudson ist. Das Auto ist in Los Angeles keine Luxusangelegenheit, sondern eine Notwendigkeit. Das Land ist wunderschön und hat ewigen Sommer. Da wohnt man denn statt in einer eigenen Villa in seinem eigenen Auto. An freien Tagen werden Frau und Kinder in den Wagen gepackt, ein paar Wirtschaftsgeräte, etliche Kissen und ein zerbrochenes Eisenbett werden aufgeladen, dazu kommen noch ein paar Stühle und ein kleiner Ofen — und so wird die Fahrt angetreten. Wenn man Sonntags auf der Straße steht, glaubt man, ganz Los Angeles sei im Umzug begriffen. Kissen und Bettüberzüge in allen Farben, Kinder in allen Größen bis hinab zu solchen im Steckkissen und in Wiegen. Einige