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Menorah · 1932-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1932) · p. Seite 204

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1932)
Article
Quer durch Amerika
Date
1932-05-01
Page
Seite 204 (sequence 2)
Language
German
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204 MENORAH len Bewohnerinnen die schwärmerischen Geister Europas nicht ruhen. Jahrzehntelang träumten die Menschen von dem Reich der California, wo die Quellen der ewigen Jugend fließen, wo das Geheimnis der ewigen Liebe zu finden ist zusammen mit unerschöpflichen Schätzen. Und die Ritter und Abenteurer aller Länder und Zeiten zogen aus, um dieses Land zu suchen, frommen Pilgern gleich wanderten sie über Meere, Wüsten und Gebirge, Wie eine Fata Morgana, wie eine Vision schwebte das geheimnisvolle Reich vor ihren Augen und der Schein des Goldes übte seinen geheimnisvollen Zauber aus den verborgenen Tiefen der Ströme und Berge. Ich weiß nicht, ob die ersten Entdecker Kaliforniens das Königreich der schönen nackten Frauen gefunden haben. Aber Spuren dieses Frauenstaates sind in Kalifornien noch bis zum heutigen Tage zu finden. Das Gold des Landes ging wohl in fremde Hände über, — aber die ewige Liebe kann niemand für sich allein kapitalisieren und sie blüht noch jetzt überall in dem ebenen Teil Kaliforniens wie das Grün der Fluren, wie die bunten Blumen, wie der Duft der Orangenblüten. Ich glaube, Kalifornien ist bis heute das Land der Liebe und der ewigen Jugend. Es mag sein, daß die Frau eine Frucht ist, die nur in einem Lande ewigen Sommers gut gedeihen kann — sicher ist, daß kein Land so viel schöne Frauen besitzt wie Kalifornien. Vielleicht sind das die Spuren des legendären Frauenreiches. Jedes Land hat seine eigene Farbe. Wenn man um die Osterzeit an einem schönen Morgen in Jerusalem erwacht und die weißen Straßen, die weiß getünchten Häuser, den weißblauen Himmel sieht, dann ruft man unwillkürlich aus: ,,Das ist das Silberland." Denn in Palästina hat alles die Farbe des Silbers. Kalifornien aber hat die Farbe des Goldes. Dieser Eindruck kommt nicht etwa daher, weil unsere Phantasie schon darauf eingestellt ist, Kalifornien im Glanz des Goldes zu sehen; die Farbe des Goldes wird dem Lande vielmehr von seinen Orangen verliehen. Wo man geht und wo man fahrt, erstrecken sich große Orangenpflanzimgen, über Meilen weit stehen ganze Wälder kleiner, kräftiger Stämme mit sattgrünen Blättern, die in fetter, schwarzer, frischbewässerter Erde wurzeln. Und hinter jedem grünen Blatt lugen goldgelbe Orangen hervor. Zur Zeit, als ich in Kalifornien war, reiften eben die Orangen. Doch ehe sie noch abgenommen werden, tragen die Bäume bereits die zweite Blüte. Der Duft der Orangenblüten ist so stark, daß er die Luft mit einem berauschend starken Parfüm erfüllt. Und unablässig befindet man sich wie unter der Wirkung von Alkohol — es ist ein unaufhörliches Angeheitertsein. In dem Jahre, als ich

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