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Menorah · 1932-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1932) · p. 203

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1932)
Article
Quer durch Amerika
Date
1932-05-01
Page
203 (sequence 1)
Language
German
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QUER DURCH AMERIKA Eindrücke einer Reise Von Schalom Asch Autorisierte Übersetzung von Siegfried Schmitz Nachdruck, auch auszugsweise, verboten VII Von schwarzen Königinnen, Somhreros und alten Schuhen Einst herrschte in dem Lande am Pacific eine schwarze Königin mit Namen California. Alle ihre Untertanen waren Frauen. Jeder Mann, der sich in den Grenzen des Königreiches sehen ließ, wurde unbarmherzig dem Tode überliefert. Alle Häuser im Lande waren aus geschliffenem Bergkristall und ihre Dächer aus Gold. Alles Hausgerät war aus eitel Gold verfertigt, die Rosse trugen goldenes Geschirr und auch das Zaumzeug der Maulesel war aus Gold. Die Königin California war sehr mächtig. Kein König und kein Held konnte ihr im Kampfe widerstehen. Ihr Heer bestand ausschließlich aus Frauen. Ihre Wallen waren aus purem Golde geschmiedet. Das freie, starke Frauenreich der Königin erstreckte sich über die grünenden Berge und die fruchtbaren Täler des schönen Landes, das nach seiner Königin benannt wurde. Die Frauen hatten keinen Herrn über sich und kein Mann sah ihre Blöße. Sie gingen völlig unbekleidet, nur Goldschmuck zierte ihre schwarzglänzenden Leiber. In strahlender Nacktheit lustwandelten die heldenhaften Frauen in den fruchtbaren Gärten, auf schwarzen, goldgezäumten Rossen stürmten sie über die Hügel, über die üppigen mit grünem Samtteppich bedeckten Fluren, badeten in dem himmelblauen Meer, das die Ufer des fruchtbaren Landes bespült — und kein Herr, kein Gebieter war über ihnen. Frei und stark lebte das große, edle Heldenvolk der Frauen. Dies erzählt ein alter Roman, der zu Anfang des 16. Jahrhunderts in Spanien erschienen ist, von den ersten Bewohnern Kaliforniens, die, wie es in dem Buche heißt, ,,zur Rechten des neuen Indien siedeln''. Der Roman geriet bald in Vergessenheit und es blieb bloß eine verschwommene Legende übrig; sie schwebte wie ein Sommerfaden durch die Luft des romantischen Mittelalters und flüsterte von dem Goldland, in dem ein freies heldenhaftes Frauenvolk auf fruchtbarem Boden in Häusern aus Kristall unter goldenen Dächern lebt, das von keinem König und keinem Helden besiegt werden könne und keinen Mann in seinen Grenzen dulde. Und seither ließ das Goldland mit seinen dunk-

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