Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Article
- Der Geist im Wort und der Geist in der Tat
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 200 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2912821-2912916-2912920-2928168--11314-2928295- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
200 M ENORAH Dies gilt für die p o s i t i v e n Typen auch hinsichtlich ihrer E i n- Stellung dem eigenen Leben gegenüber. Sie sind sich der Vergangenheit und, soweit es möglich, der Zukunft stets bewußt, während die Existenz der negativen Typen eigentlich nur aus einer Reihenfolge isolierter Momente besteht. Wer aber nur die Gegenwart hat, der hat nur den Augenblick, somit eigentlich nichts. Der Historiker (Kontinualist) muß sich keineswegs vorwiegend mit der Vergangenheit beschäftigen. Es gibt auch Historiker der Gegenwart, und der Typ bleibt der gleiche, — ob er sich hauptsächlich für das Reformationszeitalter oder für die französische Revolution oder für das Spanien von heute interessiert. Der Journalis t als Typus im Diagramm, also nicht der Berufsjournalist, ist vor allem charakterisiert durch sein Interesse, ja durch seine Leidenschaft für Aktualität. Die Bezeichnung Aktualist (nicht Aktivist!), womit auch seine Gegensätzlichkeit zum Historiker (Kontinualisten) sich ohne weiteres ausdrückt, käme dem Wesen dieser Geistesverfassung am nächsten. Er ist in Tagesinteressen befangen, vom Gegenwärtigen benommen, ja berauscht. Dem Journalisten wird auch der bedeutungsvollste Vorgang im Innersten gleichgültig sein, wenn er nicht zugleich aktuell oder gar sensationell ist; das Nichtigste aber gewinnt Bedeutung für ihn, wenn es als sensationell oder wenigstens aktuell gelten kann. Die Repräsentanten dieses Typus sind unter allen Repräsentanten des negativen Gebietes a m u nret tbarsten im Tag verwurzelt. Sie wissen nichts von Zusa mm e n h a n g, sondern nur von Bezug. Alle Charakteristika des negativen Gebiets sind bei den Repräsentanten dieses Typus am stärksten ausgesprochen. Und nirgends leuchtet die innige Verbindung mit der BegrifTsreihe, die wir als charakteristisch für das negative Dreieck aufgezeichnet haben, so völlig ein wie in ihrer Affinität zu dem Typus Journalist. Bedeutende Repräsentanten dieses negativen Typus leiden besonders oft unter der Sehnsucht nach dem positiven Gebiet; und sie feinden es am grimmigsten an. Mit dem Politiker und Spekulanten (den wir im Diagramm der Tat finden wTerden) zusammen stellt der Typus des Journalisten das eigentlich satanische Element der Welt dar. Unter den Berufsjournalisten gibt es viele, die vom Urtypus weniges oder nichts an sich haben, wie ja gerade der Journalismus als Beruf besonders geeignet scheint, die verschieden-