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Menorah · 1932-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1932) · p. Seite 201

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1932)
Article
Der Geist im Wort und der Geist in der Tat
Date
1932-05-01
Page
Seite 201 (sequence 15)
Language
German
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DER GEIST IM WORT 201 artigsten Elemente in sich aufzunehmen. Andererseits ist es leicht zu verstehen, daß die Geistesverfassung des Journalismus (Aktualismus) zum Beruf des Journalisten ganz besonders disponiert. Der sogenannte große Journalist wird der Geistesverfassung nach kaum jemals den Urtypus Journalist, sondern häufig den Typus Historiker (Kontinualist), manchmal den Typus Staatsmann, oder den Typus Dichter, gelegentlich auch den Typus Politiker (also einen anderen Typus des negativen Gebietes) repräsentieren. Der Dichter ist Gestalter und Bewahrer aus innerer Notwendigkeit. In seinen schöpferischen Momenten ist ihm die ganze Welt Material für sein Werk. In seinen unfruchtbaren verliert die ganze Welt für ihn ihren Glanz oder erlischt geradezu. Keiner ist so sehr wie er Mensch von Gnaden des Augenblicks. Er ist der fließende Spiegel der Welt und bleibt es, auch wenn der Spiegel sich zeitweilig bis zur Undurch sichtigkeit trübt. Dem Literaten ist die Welt nicht a priori Material für sein Werk. Er ist vielmehr auf Stoffe aus. Er betrachtet seine Erlebnisse, seine Beziehungen, seine Stimmungen daraufhin, wie er sie etwa zugunsten seiner Produktion verwenden und ausnützen könnte. Seine Erlebnisse sind ihm bewußt oder unbewußt Mittel zum Z w e c k. Er ist unfähig, einem Erlebnis, einem Menschen, einer Sache betrachtend, also wahrhaft reinen Herzens gegenüberzustehen. Keiner unter den negativen Typen ist manchmal so nahe daran, tragisch zu wirken, als er, denn er ist der bewußteste unter ihnen. Aber er bleibt in jedem Falle nur eine tragikomische Figur, wenn auch oft bedeutenden Formats. Er ist unter allen Typen der unmenschlichste, daher schreibt man ihm zuweilen Dämonie zu, während er doch auch in seinen bedeutendsten Erscheinungen nur als satanisch bezeichnet werden kann. Beim Dichter ist die Linie des Lebens und des Scha f - fens ein und dieselbe. Beim Literaten sind es zwei Linien, die in gewissen (erhöhten) Momenten nahe zueinanderfließen, ja sich so völlig decken können, daß der Eindruck einer einheitlichen Linie hervorgerufen (und der Literat für einen Dichter gehalten) wird. Der Typus Literat findet sich keineswegs nur unter den Schriftstellern; literatenhafte Einstellung zum Leben im Sinne steter Bereitschaft zur Selbstbeobachtung, Neigung zur Selbstbespiegelung bei Vernachlässigung der zu erfüllenden wesentlichen

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