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Menorah · 1932-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1932) · p. Seite 199

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1932)
Article
Der Geist im Wort und der Geist in der Tat
Date
1932-05-01
Page
Seite 199 (sequence 13)
Language
German
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DER GEIST IM WORT Dem Philosophen als Typus dieses Diagramms ist keineswegs der Wunsch eigen zu einer sogenannten „Abgeklärtheit", sondern vor allem der, zu einer inneren Klarheit zu gelangen; sein Drang ist es, den Weg zur Wahrheit zu linden, auch wenn er überzeugt ist, daß das Ziel unerreichbar bleiben muß. Dem Sophisten, dem negativen Gegentypus des Philosophen, ist das Denken nicht Drang und Leidenschaft, sondern Spiel, das freilich wieder als solches zur Leidenschaft werden kann. Er ist nicht a priori ein Feind der Wahrheit, aber auch wenn er sie für erreichbar hielte, würde sie nicht das erstrebenswerte Endziel für ihn bedeuten. Es käme ihm nur darauf an. auf dem Wege dahin sich und andre zu unterhalten; — zu wirken und zu blenden. Das schillernde Paradoxon gehört ihm vor allem zu. und für seine Zwecke, ja für sein Lebensgefühl. bedeuten Wahrheit und Lüge durchaus gleichwertige Elemente. Bei dem Typ II i s t o r i k e r entspricht die gewählte Bezeichnung am wenigsten der Geistesverfassung, die innerhalb des Diagramms gemeint ist. Der Typus als solcher ist nicht so sehr Historiker, also Geschichtsforscher und Geschichtsschreiber, als vielmehr G eschichtsf ü hier. Er hat den Flair für Zusammenhänge, die Intuition vom Werden der Dinge, er ist der Ahnende, auf der höchsten Stufe der Wissende der Kontinuität, der Kontinualist. Den meisten Menschen bedeutet Geschichte einen schattenhaften Zug von Gespenstern, der ihnen Ereignisse vorführt, deren Ausgang nicht nur den Zuschauern, sondern auch den handelnden Personen bekannt ist. Historisch aber im wahren Sinne denkt nur derjenige, der fähig ist, das Vergangene im Geiste durchaus als ein Gegenwärtiges zu erleben — in dem Sinn, daß er auch das Ende eines ihm durchaus bekannten Vorganges, während er sich mit dessen Entwicklung beschäftigt, als etwas vorläufig Ungewisses empfindet, ja es eigentlich gar nicht anders zu empfinden vermag. Wenn aber der Historiker auch als Urtypus im Diagramm nicht den Geschichtsforscher bedeutet, die Geistesverfassung als solche wird naturgemäß zum Beruf des Historikers disponieren. Interesse für Zusammenhänge, ein stets wacher Sinn für Kontinuität ist überhaupt ein Charakteristikon der positiven Typen. Beim Historiker (Kontinuaiisten) wird es zum Drange, ja zur Leidenschaft, die Zusammenhänge im engeren und im weiteren Sinne zu entdecken, den Ablauf der Dinge zu wissen, das Werden zu verstehen.

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