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Menorah · 1932-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1932) · p. Seite 196

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1932)
Article
Der Geist im Wort und der Geist in der Tat
Date
1932-05-01
Page
Seite 196 (sequence 10)
Language
German
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196 MENORAH Was an einem Menschen als satanisch wirkt, ist eine Vereinigung von niederen menschlichen Eigenschaften (Bosheit, Neid, Haß) in einer Atmosphäre von mehr oder minder hoher Geistigkeit; was als dämonisch wirkt, eine Vereinigung außerordentlicher Geistesgaben in der Atmosphäre höherer Seelenzustände. Das Satanische ist stets bewußt, auf seine Wirkung bedacht und unfruchtbar — auch bei lebhaftester Geschäftigkeit; das Dämonische stets unbewußt, unbekümmert um seine augenblickliche Wirkung und immer fruchtbar — auch bei scheinbarer Untätigkeit. Das Satanische kann immer nur durch seine Äußerungen sich bemerkbar machen und wirken, das Dämonische auch einfach durch sein Da-Sein. Humor ist immer dämonischer Natur; das Reich von Witz, Ironie, Satire, dieser gefallenen Engel des Geistes, ist innerhalb des Satanischen beschlossen. Freilich ist auch hier — keineswegs eine Einschränkung — aber doch eine Erläuterung geboten: daß nämlich der Humor sich gelegentlich der Ironie, der Satire, des Witzes zu stilistischen Zwecken bedient, daß satirische Begabung, eine Neigung zu ironischen Seelenzuständen, eine Anlage zu Witz sich oft genug bei Repräsentanten des positiven Typus findet, ja daß der große Satiriker der Geistesverfassung nach den Typus Philosoph, Historiker oder auch Dichter repräsentieren kann. Auch hier gilt also der Satz, daß die E i n z e 1 ä u ß e r u n g und auch eine Reihe von Einzeläußerungen einer Persönlichkeit in ihren letzten Motiven und ihren Zusammenhängen erkannt werden müssen, ehe man sie als die eigentlichen Charakteristika dieser Persönlichkeit ansprechen darf. Und eben darum, wreil die Gesamtpersönlichkeit kaum jemals als Ganzes zu überschauen ist, wird das wirkliche Erfassen einer Persönlichkeit, Menschenkenntnis im wahren Sinn des Wortes, zuletzt immer eine Sache der Intuition bleiben. JL/a es sich in diesem Diagramm um Ur typen von Geistesverfassungen handelt, verbietet sich eine sogenannte Definition von selbst. Nur Beschreibungen darf ich versuchen, die wohl auf nichts anderes hinauslaufen werden als auf eine beiläufige Charakterisierung individueller Repräsentanten jener Urtypen. Beispiele für die einzelnen Typen werden sich jedermann sowohl aus der Geschichte als aus persönlicher Erfahrung aufdrängen.

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