Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1932-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1932) · p. Seite 195

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
10 (1932)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1932)
Article
Der Geist im Wort und der Geist in der Tat
Date
1932-05-01
Page
Seite 195 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2912821-2912916-2912920-2928168--11309-2928290
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DER GEIST IM WORT 195 und Überheblichkeit, Verantwortungsgefühl und Leichtfertigkeit, und andere mehr. Doch ist natürlich nicht bei jedem Repräsentanten des positive n Typus eine Affinität zu allen für das positive Gebiet charakteristischen ethischen BegrÜTen, — nicht bei jedem Repräsentanten des negativen Typus eine Affinität zu allen für das negative Gebiet charakteristischen Begriffen gegeben. Also: nicht jeder Repräsentant des positiven Typus weist dämonische Züge auf oder hat Humor; — nicht jeder Repräsentant des negativen Typus ist satanisch angelegt oder lügenhafter Natur; — dies aber ist gewiß, daß niemals bei den positiven Urtypen Begriffe, die für das negative Gebiet charakteristisch sind, und niemals bei den negativen Urtypen Begriffe, die für das positive Gebiet charakteristisch sind, als wesentlich in die Erscheinung treten. Es wird beispielsweise in irgendeinem Einzelfall dem Politiker nicht an Verantwortungsgefühl fehlen, oder der Dichter mag in irgendeinem seiner Werke als leichtfertig erscheinen; — die Idee der Gesamtpersönlichkeit wird hierdurch nicht berührt, und in einem höheren Sinn haben Pfaffe, Politiker, Sophist, Journalist, Literat nichts mit der Wahrheit und m i t den übrigen Begriffen der positiven Reihe, — Priester, Staatsmann, Philosoph, Historiker und Dichter nichts mit der Lüge und den übrigen BegrÜTen der negativen Reihe zu schaffen. Die meisten dieser Begriffe und deren strenge Zugehörigkeit entweder zum positiven oder zum negativen Gebiet bedürfen keiner Erklärung. Zum Beispiel ist die Gegensätzlichkeit zwischen Altruismus und Egoismus, zwischen Verantwortungsgefühl und Leichtfertigkeit, Sachlichkeit und Opportunismus ohne weiteres verständlich. Bei anderen gegensätzlichen Begriffen, wie zum Beispiel Erlebnis und Sensation, Weg und Karriere, gilt zuweilen Ähnliches, als anläßlich der Gegensätzlichkeit gewisser Geistesverfassungen bemerkt wurde: daß diese Begriffe sich manchmal nur durch das positive oder negative Vorzeichen voneinander zu unterscheiden scheinen. (Zum Beispiel: Ein Schicksal, das dem Dichter Erlebnis bedeutet, ist dem Literaten meist nur Sensation usw.) Wenn ich aber Begriffe wie Dämonie und Satanie (dämonisches und satanisches Wesen), wie Humor und Witz (Ironie, Satire) als absolute Gegensätze ansehe und die ausschließliche Affinität der einen Begriffe zu den positiven, der anderen zu den negativen Geistesverfassungen als gegeben erachte, so bedarf es dafür vielleicht einer Erklärung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.