Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Article
- Der Geist im Wort und der Geist in der Tat
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 190 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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190 MENORAH das heißt durch die unüberschreitbare Linie voneinander getrennt sind, leuchtet ohne weiteres ein. Ist aber auch die ideelle Grenzlinie uniiberschreitbar, — die tiefe, und doch trügerische, nicht selten tragische Verwandtschaft zwischen dem Typ und seinem Gegentyp — trügerisch durch die oft leichte Verwechselbarkeit, tragisch zuweilen durch das Verhältnis der Unüber b rückbarkei t, das zwischen ihnen besteht, diese Verwandtschaft gerade zwischen Typ und Gegentyp gibt zu F e h ldiagnose n immer wieder verhängnisvollen Anlaß. ie Schwierigkeit aber, den positiven Typ von seinem Gegentyp in jedem Fall zu unterscheiden, liegt vor allem darin, daß die Repräsentanten des positiven Typus bewußt oder unbewußt genötigt sind, sobald der innere Drang oder die äußere Notwendigkeit des Wirkens sich ergibt, manche von den Ausdrucks- und Lebensformen der entsprechenden negativen Gegentypen sich anzueignen, ja sich in diese Gegentypen unabsichtlich oder auch absichtlich zu verstellen. Ja, man könnte sagen, daß ein Hauch höllischen Geistes dem positiven Typ nicht nur zur Möglichkeit des W irkens, sondern schon zum eigentlichen Da-Sein geradezu unerläßlich ist. Der Priester wird sich oft genug wie ein PlafTe äußern und gebärden müssen, um von der Gemeinde seiner Gläubigen auch nur verstanden zu werden. Der Staatsmann kann zur Erreichung eines vorgesetzten Zieles auf die Mittel des Politikers nur selten verzichten. Der Philosoph behilft sich zuweilen mit den Methoden des Sophisten, um seine Schüler auf bequemerem Weg zur Wahrheit hinzuleiten oder zu dem, was ihm als solche erscheint. Der Historiker (Kontinualist) kann zum mindesten in der Darstellung und im Vortrag journalistischer, resp. aktualistischer Formulierungen nicht immer völlig entraten. Der Dichter scheint sich vom Literaten manchmal nur durch seine geringere Geschicklichkeit in den Bemühungen um einen äußeren Erfolg zu unterscheiden, der ihm oft erst die Voraussetzung für die Möglichkeit weiteren Schaffens bieten würde oder bietet, Diese Notwendigkeit, ja manchmal schon die Voraussicht der Notwendigkeit, jenen Hauch höllischen Geistes nicht entbehren zu können, ist es, die unter Umständen die Tragik solcher Menschen bedeutet, an der zugrunde zu gehen sie