Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- Joseph Carlebach: Das Hohelied, ... [Rezension]
- Date
- 1932-03-01
- Page
- 181 (sequence 1)
- Language
- German
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JOSEPH CARLEBACH: DAS HOHELIED, übertragen und gedeutet, Frankfurt am Main, Herrnon-Verlag. Das Hohelied ist seit den frühesten Tagen jüdischer Forschung Gegenstand der Erklärung, der l 'bersetzimg, der Ausdeutung. Nicht Theologen allein, auch Dichter und Denker Iiiiben sich an den Stoff gemacht, so wie er den Künstlern zu allen Zeiten Motiv geworden war. Es hielt seinen Einzug in die Synagoge, es erquickte das Auge des Zeichners, es regte die Phantasie des Darstellers an, es beschäftigte in Wort und Inhalt den Gelehrten. Von welcher Seite aus man die Schrift betrachtet: sie setzt ein starkes Einfühlen voraus, man kann ihr nicht mit trockener Gelehrsamkeit, mit Stubenwissenschaft begegnen, man kann aber auch nicht nur dichterische Adern fließen lassen. Je mehr dichterische Darstellungskraft jemand besitzt, je mehr Künstler des Bildes w ist, je mehr Meisler der Originalsprache und Herr seiner Sprache, je mehr Kenner des Wortes und Begreifen* des Wortspieles, je mehr Verständnis er für Zeit und Hintergrund bringen wird, um so wertvoller wird das sein, was er über das Buch, über welchem der Kampf der Meinungen nicht ruht, zu sagen hat. Joseph Carlebach hat viel von diesen Voraussetzungen und so konnte man erwarten, daß seine Ausgabe eine wertvolle Arbeit für diese einzigartige Schrift im Schatze d.er Bibel sein würde. Es Lst in der Tal so. Eine Reihe von Einleitungskapiteln geben über ältere und neuere Deutungsversuche Auskunft, behandeln die Sprache und die Eigennamen des Hohenliedes, sprechen zu Exegese und Midraseh, zu Abfassungszeit und Originalität, schließlich zur Lektüre des Hohenliedes in unseren Synagogen. Schon hier erhebt sich die Sprache über dem Alltag und wird dem Text gerecht, der so viele Mißdeutungen und Veränderungen in seinem Sprachschat?: von der Hand conjicierender Forscher erleben, mußte. Das Hohelied wird in 18 einzelne Gesänge zerlegt, die im hebräischen Originaltext abgedruckt, dann übersetzt und gedeutet werden. Die Braut spricht zunächst \on dem fernen Geliebten, nach dem sie sich sehnt, in dritter Person redet sie von dem, mit dem sie verbunden sein möchte. Und er kommt, vor» der Liebesbotschaft und dem Gegengruß kündet das zweite Lied. Wie die Gefühle wach werden und sie seine Nähe schon fühlt, will das dritte Lied zeigen. Der Freund ist erschienen, er will sie heimführen aus der Fremde in sein Land — das vierte Lied. Aber sie kann ihm noch nicht folgen, zwischen Verlobung und Vermählung liegt eine kritische Zeit, davon kündet das fünfte Lied. Die Liebenden sind getrennt, aber in den Träumen der Braut werden alle Gefühle wach —- das sechste Lied. Zurückkehrt der Bräutigam, die Hochzeit wird stattfinden — das siebente Lied. Im Hochzeitszug wurde der Bräutigam gerühmt, im achten Liede erklingt der Hymnus auf die Braut aus dem Minute des Bräutigams. Die wirkliche Heimführung erfolgt im neunten Liede; das Hochzeitsmahl wird im zehnten Liede besungen. Damit ist des Hohenliedes erster Teil beendet (bis 5,1 einschließlich). Eine neue Trennung ist eingetreten, der Gatte war fern, plötzlieb bei Nacht kehrt er heim, sie öffnet ihm so rasch nicht, denn sie hat das eheliche Gewand mit dem jungfräulichen während seiner Abwesenheit vertauscht. Als sie ihm öffnet, ist er entschwunden, wie sie ihn suchen will, beschreibt das elfte Lied. Sie erhält einen Gruß von dem Gatten, der nach der Wiedervereinigung sich sehnt — das zwölfte Lied. Im dreizehnten Liede begleiten wir sie auf ihrer Wanderung, auf der Suche nach dein