Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- Joseph Carlebach: Das Hohelied, ... [Rezension]
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 182 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2912821-2912916-2912919-2927991--11275-2928138- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
182 ME N ORAH Gatten und hören das Lob, das ihr aus fremdem Munde gezollt wird, ihr, die nun den Namen Sulamilh trügt, Ihr Suchen begegnet seiner Sehnsucht, >vie das vierzehnte Lied zeichnen will. Aber noch bleibt der Geliebte lern, eine neue Hemmung tritt ein, im fünfzehnten Liede. Aber von neuem wird das Hochzeitslied vernehmbar, die Liebenden werden für immer vereint, davon singt das sechzehnte Lied. Damit endet des Hohenliedes zweiter Teil (bis 8,8 einschließlieh). In zwei Liedern des Epilogs wird in Ergänzung des Hohenliedes etwas über das „Einst und Jetzt" mitgeteilt, gleichsam, um die Personen nochmals zu beleuchten und zu erneuter Lektüre des Gedichtes nochmals anzuregen. Ein Anhang meldet Goethes Urteil über das Hohelied und bespricht moderne Versuche zur Deutung des Hohenliedes. Von sämtlichen Deutungen wie auch von der (Jberselzun-g ist zu sagen, daß sie eine würdige, gewählte Sprache zeigen und erhebend und belebend wirken. Nur die Frage ..Allegorie oder Liebeslied?" ist auch hier restlos und zur Befriedigung nicht beantwortet. Der Verlag hat dem Buche eine würdige Ausstattung gegeben. Es ist zu wünschen, daß es in sehr zahlreiche Hände kommt. Des Dankes aller Bibelfreunde darf der Deuter gewiß sein. Rabbiner A. P o s n e r. SCHALOM ASCH: DIE GEFANGENE GOTTES. Deutsch von Siegfried Schmitz. Paul Zsolnay-Verlag, Wien-Berlin. Eine neue Schöpfung Asch's nach den im Rembrandtschen Helldunkel gezeichneten Bildern aus seiner jüdischen Heimat, in der bezaubernd üppigen Helle der französischen Biviera erleben jüdische Menschen unserer Tage jene seil Urzeiten schwersten Konflikte, in denen die Liebe zu dem Schicksal bestimmten Manne die in Familie und Mutterschaft gebundene Frau stellt. Der Sieg über die Leidensehaft wird zugleich der Triumph des Miittei - gefühls; denn verzichtend und erkennend läßt die Frau vom Geliebten, um in der Liebe zum Kinde Erfüllung zu finden. Diesen einfachen Liebesroman gestaltet der Dichter zum Weltbilde eines noch schüchternen Bekenntnisses für einen tiefgründigen Gotlesglauben, der mit seltsamen, an Vorzeitdunkel erinnernden Ge danken eine unzerstörbare Kette zwischen längst verschwundenen Generationen des jüdischen Volkes und seinen zwiespältig zerrissenen Abkömmlingen unserer Tage schließt. MAX BBOD: STEFAN HOTT ODER DAS JAHR DER ENTSCHEIDUNG. Paul Zsolnay Verlag, Wien-Berlin. Das literarische Schaffen Max: Brods ist beherrscht von dem Problem der Bindungen zwischen materialistischer und spiritualistischer Lebensphilosopliie. Dem entspricht seine Auffassung vom Schaffen des Künstlers, der Scheidung zwischen dem dynamischen und statischen Typus. Einer tiefgründigen Auseinandersetzung dieser Gedankenwelt ist der Roman des jungen Stefan Rott, die Darstellung seiner Jugend und Manneswerdung gewidmet. Rott ist Nichtjude. Er steht zwischen den freigeistigen Sozialisten und dem in die katholische Lebensauffassung versponnenen Idealisten. Er soll entscheiden, nach rechts oder links seinen Weg gehen. Der Held und der Autor lehnen aber diese Wege ab, sie suchen die Synthese: „Verehren und helfen" soll die lösende und erlösende Formel sein, die dem gegenwärtigen Kampfe zwischen widerstreitenden ökonomischen Interessen und der ewigen sittlichen Grundforderung des menschlichen Daseins ein Ende bereiten soll. 77—n. WALTER RODE: FRIEDEN UND FRIEDENS¬ LEUTE. Transmareverlag, Berlin. Seit Ewigkeilen führen die Menschen den Krieg, wozu reden sie immer noch von Frieden und predigen tiefgründig und skurril zugleich die Methoden, wie man Frieden schaffen könnte. Ein solches Schauspiel bietet seit Jahr und Tag die Völkerbundversammlung, die jetzt in der Abrüstungskonferenz einen Höhepunkt geschaffen hat, Wie Motten um das Licht schwirren seil Jahren Karrieristen. Erfolghascher und ehrliche Idealisten in den Hallen von Genf. Diese Menschen so zu schildern, wie sie sind und den Schleier des Pathos von ihren Reden zurückgezogen haben, ist das Verdienst des geistvollen Gesellschaflskritikers Walter Rode.