Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- Zwischen den Fronten
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 145 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ZWISCHEN DEN FRONTEN 145 „Wie heißen Sie?" fragte er mich in französischer Sprache. „Dizengoff, Exzellenz!" „Und Sie?" „Antebbi, Exzellenz!" „Innerhalb zehn Tagen werdet Ihr von hier fort müssen, in die Verbannung nach Angora oder nach Sivas." Schweigen. Niemand fragte noch antwortete. „Verstanden?" „Ja, Exzellenz!" entgegnete ich: „Wir haben wohlverstanden." Damit war diese Prozedur beendet. Djemal Pascha wartete noch einige Sekunden ab, ob nicht vielleicht jemand von uns es wagen wollte, etwas zu fragen oder zu entgegnen, aber alle schwiegen beharrlich. Dann wandte sich der Oberbefehlshaber ab und verließ die Halle, wir taten das Gleiche und kehrten ins Hotel zurück. Hernach erfuhren wir, daß Djemal Pascha von uns die Frage erwartet hatte, wessen wir beschuldigt und warum wir verbannt würden. Und er hätte uns dann die Anklageschrift vorgelesen und uns als Aufruhrer gebrandmarkt. Und wenn wir ihn angefleht hätten, Erbarmen zu haben, unsere Habe nicht zu zerstören und uns die Erlaubnis zu erteilen, mit unserer Familie im Lande verbleiben zu dürfen, hätte er sich gewiß hart gezeigt und seinen Befehl nicht um ein Jota gemildert. Aber wir alle hatten wie auf Verabredung beschlossen, keine Gnade zu erflehen und seinen Befehl hinzunehmen; und damit schienen wir ihn in großes Staunen versetzt zu haben. Bedrückt und ratlos über dieses Verhängnis, saßen wir im Gasthaus und fragten uns: Haben wir denn alle die gleichen Verbrechen begangen? Gab es doch welche unter uns, die nie in ihrem Leben den zionistischen Schekei entrichtet hatten. Und womit sollten sich die Bevollmächtigten der Kolonien vergangen haben? Aber wer konnte so klug sein, all das zu beantworten. Wir saßen da und blickten einander schweigend an. Nach langer Verwunderung und Verzweiflung begannen wir uns mit der Auslegung dieses Befehls zu befassen und wir fanden, daß er sehr unklar war und einer Erläuterung bedurfte. Es war uns nicht gesagt worden, ob nur wir allein oder auch unsere Familien verbannt würden. Ebensowenig ob die Verbannung lebenslänglich oder nur eine begrenzte Zeit dauern sollte. Und wovon sollten wir in der Verbannung leben, wie unsere Familien erhalten? — Gewiß, die Sache bedurfte der Klärung! Wir beschlossen daher, zwei Delegierte aus unserer Mitte zu