Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- Zwischen den Fronten
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 144 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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144 MENORAH flüssige Diskussionen wurde einstimmig beschlossen, auf die Frage, ob wir Zionisten seien, zu antworten: „Ja, Herr, wir sind Zionisten!" Und sonderbar: Nachdem wir diesen einstimmigen Beschluß gefaßt hatten, erfüllte uns eine solche Genugtuung, daß wir beinahe aufgejauchzt hätten. Wir wußten, daß wir uns in Lebensgefahr befanden, und daß diese Stunde vielleicht unser eigenes Schicksal und das Schicksal der gesamten jüdischen Siedlung besiegeln würde, aber ein erhabenes, sicheres Gefühl bemächtigte sich unser, das andere Empfindungen und Gedanken nicht aufkommen ließ, ein Gefühl ehrenvoller Pflichterfüllung unserem Lande und Volke gegenüber. Ein Kolonist zog eine Flasche Kognak hervor, und wir tranken alle, Brüder in Freud und Leid, auf das Wohl der Erlösung, auf das Gedeihen und die Befreiung unseres geliebten Landes. Bereiten Herzens und in gehobener Stimmung trafen wir in Jerusalem ein. Am Bahnhof erwarteten uns bereits unsere Freunde, sichtlich ohne besondere Botschaft. Wir musterten einander, und jeder Blick schien auszudrücken: ,,Ich bin da!" In Jerusalem wurde es uns klar, daß wir in der Tat die Gefangenen Djemal Paschas waren: Bewaffnete Polizisten nahmen uns am Bahnhof in Empfang, um uns bis vier Uhr nachmittags, der Stunde, in der wir dem Oberbefehlshaber vorgeführt werden sollten, im Stadtgefängnis gefangenzuhalten. Mit großer Mühe gelang es unserem gottseligen Gesinnungsgenossen Antebbi, der gleichfalls zur Bahn gekommen war und ebenfalls zu den ,,Vorgeführten" gehörte, beim Polizeikommandanten zu erwirken, daß uns unter der persönlichen Verantwortung des Hotelbesitzers gestattet werde, im „Hotel Kaminiz" einzukehren. Es wurde vier Uhr, und wir standen alle in der Kalle des großen Hotels, wo die Kommandantur der 4. Armee einquartiert war. Nach einer Viertelstunde kam Djemal Pascha höchsteigen zu uns, umringt von seinen Adjutanten und Offizieren, den Vollstreckern seiner Befehle. Vor uns stand ein breitschultriger Mann von mittlerem Wuchs, dessen Blick Energie und Entschlossenheit ausdrückte. In seinen verwegenen und derben Gesichtszügen war unbeugsamer Wille zu lesen, und in seinen gemessenen Bewegungen war zu erkennen, daß ihm auch die Gabe der Selbstbeherrschung verliehen worden war. Einige Augenblicke schritt er gemessen die beiden Reihen der ,,Delinquenten" ab und blickte einem im Vorbeigehen lange ins Gesicht. Schließlich wandte er sich an jene, die an der Spitze der Reihe standen: