Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 141 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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QUER DURCH AMERIKA 141 gebahnt haben. Es ist unfaßbar, daß sie die Kraft hatten, die grauenvolle Wüste zu durchqueren, in steter Gefahr zu verdursten, im Sandsturm verschüttet oder von Indianern überfallen zu werden. Es kann nicht bloß der Glanz des Goldes gewesen sein, der ihre Augen blendete und sie auf die unwegsamen Gebirgspfade und in die Todestäler lockte, hinter denen das wasser- und goldreiche Kalifornien lag. Das mystische Geheimnis des Schadens, das in der Menschenseele tief verborgen liegt, die Unruhe und die neugierige Sehnsucht nach Neuem, Unbekanntem — sie trieben die kalifornischen Pioniere dazu, durch die Wüste den Weg nach dem Goldland zu bahnen! . . . Doch — o WTunder! Plötzlich hüpft zwischen den Bergen ein lustig plätscherndes Bächlein hervor, läuft hurtig über Steine und Felsen, sLürzt eilig talwärts! Nach langer Zeit das erste lebendige Wasser — es entzückt das Auge. Wie angenehm klingt sein Rauschen zwischen den Felsen! Es gibt frischen Lebensmut! Wieder steigt die Erinnerung an die W7anderer in der Wüste auf, die ersten Vorposten der Zivilisation, die sich Monate, sogar Jahre lang dürstend durch die WTüste nach Kalifornien durchkämpften, immer von neuem ihr Leben aufs Spiel setzten und gar oft ihre Angehörigen in den Totentälern begraben mußten. Welch ein Anblick mochte für sie dieses kleine Bächlein gewesen sein! Wie Musik klang wohl ihren Ohren sein Rauschen, denn jetzt wußten sie es — ihr Weg durch die Wüste war nicht fruchtlos gewesen; am Rande der Wüste lag das Paradies! Denn immer führt der Weg zum Paradies durch die Wüste. Und wahrlich —das Wasser wirkt Wunder. Noch sind wir mitten in der toten Wüste, wo der Sand herrscht. Doch auf einmal ist es, als hätten die Füße eines Engels den Boden berührt: dort, wo das Bächlein sich durch die Ebene schlängelt, breitet sich weithin zu beiden Seiten seiner Ufer eine grüne Flur aus. Wie herrlich satt, feucht und fett ist dieses Grün! Kühe und Schafe weiden auf der farbigen Fläche. Große Kühe mit milchstrotzenden Eutern und dicke Schafe mit undurchdringlich dicker Wolle. Alle Tiere sind ungewöhnlich groß. Es ist, als wären die Kühe und Schafe Hausgenossen einer anderen Menschenrasse als wir es sind, etwa einer Welt von Riesen. Am Ufer des Bächleins spielen Kinder und Füllen. Und im Widerschein der Sonne blinkt lustig ein weiß getünchtes Häuschen mit feuerrotem Dach. Davor blühende Bäume. Ihre schneeweißen Blütenzweige winken von den dunklen Stämmen her. Es ist. als schneite es weiße Blumen von den Ästen. Zwischendurch schimmert es rosa an dünnen Ästchen. Das sind blühende Aprikosenbäumchen. Das zarte Rot der Blüten hat im zitternden Luft- und Sonnenglanz einen bläu-